Warum wählen Düsseldorfer Die Partei von Martin Sonneborn?

Wähler von „Die Partei“ : „Die sagen wenigstens, wie es ist“

Mehr als 7000 Düsseldorfer haben der Satirepartei Die Partei bei der Europawahl ihre Stimme gegeben. Manche aus Protest – viele finden aber auch: Satiriker sind die besseren Politiker.

Nico Semsrott wirkt bedrückt. Das ist allerdings nichts besonderes, es gehört bei ihm zum Markenkern. „In einer schöneren Parallelwelt“, sagt der Mann im schwarzen Kapuzenpullover in einem Youtube-Video, „bräuchte es keine Partei wie unsere. Wir hätten Politiker, die sich mit etwas auskennen, die sich mit den klügsten Köpfen unserer Gesellschaft umgäben. Wir hätten Politiker, die begeistern, die uns Geschichten erzählen, und Hoffnung machen“. Semsrott schaut auf. „Stattdessen haben wir Christian Lindner.“

Seit 2004 treibt die „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“ (PARTEI) ihr Unwesen in der Politik. Zehn Jahre nach ihrer Gründung zog Vorsitzender Martin Sonneborn, ehemaliger Chefredakteur des Satiremagazins Titanic, 2014 als Abgeordneter ins EU-Parlament ein. Nun bekommt er einen Mitstreiter, denn Die Partei erhielt deutschlandweit 2,4 Prozent aller Stimmen – in Düsseldorf sogar 2,96 Prozent, das entspricht 7742 Wählerstimmen. In manchen Stadtteilen lag der Anteil noch deutlich höher: In Oberbilk, Friedrichstadt und Flingern-Süd wählten zwischen fünf und sechs Prozent Die Partei. Besonders hoch ist der Anteil im Wahlbezirk rund um die Ellerstraße: elf Prozent – das entspricht 33 Personen. Ebenfalls hoch war der Anteil am Höherweg (10 Prozent bzw. 35 Personen) und an der Lindenstraße (8 Prozent bzw. 39 Personen).

Elektroniker Fabian Grätz wählte Die Partei schon öfter. Foto: Fabian Grätz

Wer gibt einer Satirepartei seine Stimme? Auf einen Aufruf bei Facebook melden sich ein halbes Dutzend Männer und eine Frau. Alle sind unter 50. Friseurin Paulina (24) sagt, sie habe die Partei gewählt, weil sie frustriert über die anderen Parteien sei. „Ich dachte, ich wähle lieber eine Satirepartei als gar nicht.“ Grundsätzlich stehe im Programm der Partei „nur Schwachsinn“, aber dann habe sie ein Interview mit Nico Semsrott gelesen. „Wenn jemand so gut informiert ist, kann man den schon wählen.“

Für Unternehmer Michael Heiber ging’s ums Gewissen. Foto: Endermann, Andreas (end)

Dieses Argument kommt immer wieder: Sonneborn und Semsrott haben offenbar viele Wähler mit Interviews überzeugt. Für Michael Heiber (43) war sie die einzige Partei, die er mit gutem Gewissen wählen konnte. „Sie machen Dinge öffentlich, über die man sonst nirgendwo etwas erfährt“, sagt er über die Kandidaten. Und Fabian Grätz (33) sagt: „Das, was Die Partei tut, kann man als Normalsterblicher verstehen, weil sie es für uns herunterbrechen.“

Rollnacht-Veranstalter Claus Vogel ist Die-Partei-Erstwähler. Foto: Bretz, Andreas (abr)

Verschenkt man nicht seine wertvolle Stimme, wenn man sie Politikern gibt statt Satirikern? Nein, sagen die Wähler von Die Partei. „Sonneborn ist ein heller Kopf, der nachdenkt, bevor er etwas entscheidet“, findet Claus Vogel (48). Die-Partei-Wähler halten Sonneborn und Semsrott im Gegensatz zu anderen Politikern für integer, unabhängig und klug. „Die haben das Herz am rechten Fleck“, sagt Michael Heiber. „Wenn etwas Wichtiges ansteht, werden sie die richtige Entscheidung treffen.“

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