Warum Angela Merkel im Europa-Wahlkampf auf Auftritte verzichtet

CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer kämpft allein : Wirbel um Merkel-Auftritte im Europa-Wahlkampf

Das Verhältnis zwischen CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer und Kanzlerin Angela Merkel hat sich abgekühlt. Dass Merkel sich an den Wahlkämpfen für die Europa- und die Landtagswahlen nicht beteiligen wird, war aber schon lange klar.

Die CDU wird im Europawahlkampf weitgehend auf Kanzlerin Angela Merkel als Zugpferd verzichten müssen. Bereits kurz nach der Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur neuen CDU-Chefin hatte Merkel nach Informationen unserer Redaktion hinter den Kulissen deutlich gemacht, dass sie an reinen Parteiveranstaltungen nicht mehr teilnehmen wolle.

Ein Parteisprecherin widersprach am Sonntag einem Bericht der „Welt am Sonntag“, wonach Kramp-Karrenbauer enttäuscht darüber sei, dass die Bundeskanzlerin nun auch nicht zum gemeinsamen Wahlkampfauftakt der Unionsparteien am 27. April in Münster kommen wolle. „In Absprache mit der Parteivorsitzenden wird die Bundeskanzlerin zur Abschlusskundgebung von CDU, CSU und EVP in München kommen, darüber freuen wir uns“, hieß es. Abgesehen davon sei Merkels erfolgreiche Politik für ein starkes Europa die entscheidende Wahlkampfunterstützung für die CDU. In der Sache gibt es keine Wendung: Die Tatsache, dass Merkel nur bei der Kundgebung in München dabei sein wird, an der auch andere europäische Politiker teilnehmen werden, hatte CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak bereits bei der Vorstellung der Plakatkampagne zur Europawahl vor zehn Tagen erklärt.

Auch an den Landtagswahlkämpfen im Osten wird sich Merkel nicht beteiligen. Spekulationen, dass Merkel nicht dabei sei, weil sie im Osten wegen ihrer Flüchtlingspolitik besonders umstritten ist, trat der Thüringer CDU-Spitzenkandidat entgegen. „Mal ehrlich: Wie souverän sie in der Welt anerkannt ist, da muss man sie daheim nicht verstecken“, sagte er dem „Tagesspiegel“. Auch Mohring verwies auf Merkels Argumentation, dass sie nach ihrem Abgang als CDU-Chefin keine Parteitermine mehr wahrnehmen wolle.

Die Haltung Merkels ist konsequent, für Kramp-Karrenbauer dennoch nicht ganz einfach. Ihr Verhältnis zu Merkel ist seit dem Wechsel an der Parteispitze abgekühlt. Die Abwesenheit von Merkel in den Wahlkämpfen unterstreicht dies, auch wenn es von Anfang an so verabredet war. Zudem könnte Merkel mit ihrer internationalen Anerkennung und ihrer Strahlkraft auch ins linksliberale Lager insbesondere im Europawahlkampf hilfreich sein. Zugleich hat sich Kramp-Karrenbauers Konkurrent Friedrich Merz als Wahlkampfhelfer für 2019 angedient. Ihn in die Wahlkämpfe einzubinden, wird für Kramp-Karrenbauer aber ungleich schwieriger, wenn sie dadurch nicht an eigener Autorität einbüßen möchte.

(qua)
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