Stefan Berger - der Mann, der Elmar Brok zu Fall gebracht hat

Stefan Berger im Porträt : Der Mann, an dem Elmar Brok gescheitert ist

Elmar Brok, der dienstälteste Europapolitiker, tritt bei der anstehenden Wahl zum Europaparlament nicht mehr an. Zu Fall gebracht hat ihn ein Handelslehrer aus Schwalmtal, der sich bislang eher im Hintergrund hielt. Wer ist dieser Mann?

Der 49-jährige Handelslehrer aus Schwalmtal sitzt seit rund 18 Jahren für die CDU im Landtag und hat es dort nie zu größerer Prominenz gebracht. Weder früher als Bildungspolitiker noch in seiner aktuellen Position als CDU-Sprecher des Wirtschaftsausschusses. Trotzdem wird Stefan Berger am Samstag im Mittelpunkt der Vertreterversammlung in Siegburg stehen, wo die NRW-CDU ihre Kandidatenliste für die Europawahl im Mai verabschiedet.

Nicht, weil er plötzlich bahnbrechende politische Ideen geboren hätte oder um die Spitze der Liste ringen würde. Eher im Gegenteil. Der Vorschlag des Landesvorstandes sieht für ihn den Listenplatz sechs vor. Also eine eher nachrangige Positionierung, die Bergers Einzug in das Europaparlament so gerade noch absichern dürfte.

Aber diesen Platz erstritt Berger sich in einer Kampfabstimmung ausgerechnet gegen den in NRW vielleicht bekanntesten Europapolitiker Elmar Brok (72). Der dienstälteste aller EU-Parlamentarier unterlag Berger in der geheimen Abstimmung mit 20 zu 17 Stimmen und will nun gar nicht mehr für das EU-Parlament kandidieren. Damit wird Berger als der Mann in Broks Biografie stehen, der die politische Karriere des EU-Veterans beendet hat.

Auf seinem Weg ins EU-Parlament hatte sich Berger im vergangenen Sommer schon einmal in einer Kampfabstimmung durchgesetzt. Auch dieser Vorgang war eine Überraschung. Als der CDU-Bezirk Niederrhein einen Nachfolger für seinen EU-Spitzenmann Karl-Heinz Florenz suchte, trat Berger gegen den Klever Christian Kremer an. Bergers Kandidatur galt als aussichtslos, denn Kremer ist im Hauptberuf stellvertretender Generalsekretär der Europäischen Volkspartei (EVP). Berger wurde hingegen nachgesagt, nur aus Trotz zu kandidieren: Er sei enttäuscht, dass ihm nach dem Wahlsieg der CDU keine attraktive Rolle im Landtag zugedacht worden sei. Sein Projekt heiße „Flucht nach Europa“.

Der promovierte Ökonom ist verheiratet und hat eine Tochter. Er liebt Kartenspiele, Döner und Krimis. In jüngeren Jahren war er öfter in der Nordkurve des Mönchengladbacher Stadions anzutreffen, heute bevorzugt er die beschaulicheren Sitzplätze.

Mit originellen europapolitischen Positionen ist Berger auch noch nicht aufgefallen. Trotzdem scheint sein Siegeszug gen EU-Parlament unaufhaltsam. Um sich zu sammeln, geht er gerne am Schwalmtaler Hariksee spazieren. „Ich brauche diesen Rückzugsort, denn in der Politik kommt ja das Irrsinnigste auf einen zu“, hat er einmal gesagt.