FDP-Spitzenkandidatin Strack-Zimmermann „Eurofighterin“ mit scharfer Zunge

Berlin · Die FDP schickt bei der Europawahl die streitlustige Marie-Agnes Strack-Zimmermann als Spitzenkandidatin ins Rennen. Die 66-jährige Düsseldorferin soll mit ihrer Popularität dafür sorgen, dass die FDP besser abschneidet als vor fünf Jahren.

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Das ist FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann

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Foto: dpa/Hannes P Albert

Mit einem Zebrastreifen fing alles an. Der habe vor der Kita ihrer Kinder gefehlt, sagt Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Um ihn durchzusetzen, ging sie 1999 in die Kommunalpolitik. Heute sind ihre drei Kinder längst erwachsen und sie selbst ist schon Großmutter. Aber die 66-Jährige ist jetzt auf dem Zenit ihrer politischen Karriere: Als Spitzenkandidatin der FDP und der Allianz der Liberalen und Demokraten in Europa (Alde) will die „Eurofighterin“, wie es auf einem Wahlplakat heißt, ein besseres Ergebnis für die Liberalen bei der Europawahl am 9. Juni holen als vor fünf Jahren. Damals kam die FDP in Deutschland auf schmale 5,4 Prozent. Immerhin lag sie damit über der Fünf-Prozent-Hürde – ein Ergebnis, das die FDP in vielen aktuellen Umfragen oft nicht mehr erreicht.

„StraZi“, wie sie in Düsseldorf und Berlin auch bezeichnet wird, weil ihr Name einfach zu lang ist, soll das Ruder herumreißen. Ihre Nominierung zur Spitzenkandidatin im vergangenen Herbst war durchaus eine Überraschung, denn in Berlin hatte sich Strack-Zimmermann als streitlustige Vorsitzende des Bundestags-Verteidigungsausschusses einen Namen gemacht. Die scharfzüngige Düsseldorferin wurde zu einer der meistzitierten Berliner Politikerinnen. In der Liste der beliebtesten Politiker kam sie oft unter die ersten Zehn. Manche sahen sie sogar schon als Nachfolgerin der glücklosen früheren Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD), die aber dann durch Boris Pistorius ersetzt wurde.

Doch FDP-Chef Christian Lindner entschied sich für Strack-Zimmermann als Spitzenkandidatin und begründete das mit ihrer Popularität. Sie selbst scheint sich auf den Wechsel nach Brüssel zu freuen, und nicht wenige erleichterte Kollegen im Berliner Politikbetrieb tun es auch. Sie hat sich mit Verve in den Wahlkampf geworfen. Kaum ein Tag vergeht ohne Interviews und Auftritte mit Knalleffekt. Brüssel sei „definitely nicer than Berlin“, sagte sie, als sie im März in Brüssel den europäischen Liberalen vorgestellt wurde. Dass sie nur deshalb auch deren Spitzenkandidatin geworden ist, weil in Europa prominentere Liberale wie Kaja Kallas, die Premierministerin Estlands, abgewunken hatten, ficht sie nicht an.

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Die Spitzenkandidaten der Europawahl 2024

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Wer austeilt, muss auch einstecken können – das gilt besonders für Strack-Zimmermann, die gerne austeilt, aber auch viel einstecken muss. Als einzige aus der Ampelkoalition hatte sie im Februar am zweiten Jahrestag des Ukraine-Krieges im Bundestag gemeinsam mit der Union für die Lieferung des Marschflugkörpers Taurus gestimmt, die Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) weiterhin aus Gründen ablehnt, die nur er selbst kennt. Sie ist eine der schärfsten Kritikerinnen des Kanzlers, den sie für zu zögerlich hält und indirekt mitverantwortlich macht für die schwierige Lage der Ukraine im Krieg gegen Russland und den Tod zu vieler Zivilisten. Immer wieder trägt sie ihre scharfe Scholz-Kritik vor – dessen außenpolitischer Berater Jens Plötner wurde deshalb so zitiert: „Boah, die Alte nervt!“

Als im März geheime Informationen aus dem von ihr geleiteten Verteidigungsausschuss über die Kriegs- und Waffenlage in der Ukraine an die Öffentlichkeit gerieten, sahen viele „StraZi“-Gegner ihre Stunde gekommen. Strack-Zimmermann hatte öffentlichkeitswirksam Anzeigen wegen Geheimnisverrats erstattet. Doch dann wurde bekannt, dass im Ausschuss überdurchschnittlich viele Personen mitgehört hatten, was die Gefahr des Geheimnisverrats erhöhte. Strack-Zimmermann habe ihren eigenen Laden nicht im Griff, warf ihr neben vielen anderen auch Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) vor. Die FDP-Politikerin verteidigte sich mit dem Hinweis, dass ihr der Ausschluss von Zuhörern rechtlich gar nicht möglich war. Die Aufregung hat sich mittlerweile wieder gelegt: Es wurden Absprachen mit den Ministerien und Fraktionen getroffen, dass künftig in heikle Sitzungen des Verteidigungsausschusses weniger Menschen gesandt werden.

Jetzt sind es nur noch drei Wochen und die „Eurofighterin“ ist in ihrem Element: auf Wahl-Kampf-Tour im buchstäblichen Sinne. Ein FDP-Parteitag Anfang Mai hatte „Oma Courage“, wie es auf einem Wahlplakat mit ihrem Konterfei heißt, Rückenwind gegeben. Mit drei Kernbotschaften will die FDP-Frontfrau die Wähler überzeugen: Sie sagt dem Brüsseler Bürokratismus und namentlich Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) den Kampf an, will eine „Wirtschaftswende“ herbeiführen und fordert eine europäische Verteidigungsarmee sowie einen EU-Verteidigungskommissar. „Bürokratie hat einen Namen: Ursula“, sagte Lindner auf dem Parteitag.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Spitzenkandidatin zur Europawahl, auf dem Bundesparteitag der FDP Anfang Mai in Berlin.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Spitzenkandidatin zur Europawahl, auf dem Bundesparteitag der FDP Anfang Mai in Berlin.

Foto: dpa/Hannes P Albert

Das sind zwar dicke Bretter, aber Strack-Zimmermann traut sich zu sie zu bohren. Mit zu geringem Selbstbewusstsein ist die leidenschaftliche Motorradfahrerin nicht ausgestattet. Mit 40 erfüllte sie sich einen Lebenstraum, mietete sich eine Harley-Davidson und kurvte auf mehreren Reisen durch die USA. Zuhause fährt sie eine BMW.

Gern erzählt sie die Anekdote von ihrem damaligen Fahrlehrer: Der hatte ihr geraten, beim Motorrad-Fahren nicht geradeaus, sondern frühzeitig in die nächste Kurve zu schauen. Den Ratschlag hat sie sich fürs Leben gemerkt. „Guckste Scheiße, fährste Scheiße“, rief sie im Januar vor Hunderten Gästen auf dem FDP-Dreikönigstreffen in Stuttgart.

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