Europawahl 2019: Gastbeitrag von Präsidenten des EU-Parlaments

Gastbeitrag : Europawahl - Diesmal gehe ich zur Wahl

Es kann kaum ein Zweifel daran bestehen, dass wir an einem Scheideweg stehen. Die Entscheidungen, die die Bürger Ende Mai treffen, werden einen wesentlichen Einfluss auf die Zukunft Europas haben. Ein Gastbeitrag vom Präsidenten des EU-Parlaments und seinen Vorgängern.

Wir waren sowohl in Zeiten der Unsicherheit, wie in Zeiten des Optimismus als Präsidenten des Europäischen Parlaments tätig. Die gesamte europäische Nachkriegsgeschichte hat die Europäer in einem solidarischen Miteinander vereint, wodurch sie ihre größten Schwierigkeiten in Zeiten düsterer Zweifel zu überwinden vermochten. Wir sprechen nicht mehr von „alten“ und „neuen“ Mitgliedstaaten, wir sprechen von einem Europa, von Helsinki bis Nikosia und von Lissabon bis Bukarest und Warschau.

Frühere Gewissheiten, die in Europa und dem Rest der Welt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs vorherrschten, werden gegenwärtig, in einer Zeit neuerweckter Machtkämpfe, durch eine Welle belastender Maßnahmen, politischen Aktionismus und zunehmenden geopolitischen Spannungen vor eine Zerreißprobe gestellt.

Als Europäer können wir keine Entscheidungen für andere treffen. Wir können nicht kontrollieren, was andere tun. Wir haben allerdings für uns selbst die Wahl. Wir können gemeinsame Entscheidungen in unserem eigenen Interesse treffen, die mit unseren Bedürfnissen und unseren Werten und mit den Bedürfnissen der Welt um uns herum in Einklang stehen.

Die Europäische Union ist nicht, wie manche sich wünschen mögen, vollkommen; sie ist aber weit weniger fehlerhaft, als ihre lautstarken Kritiker sie in Karikaturen darstellen. Um sie zu verbessern, muss sie aufbereitet und reformiert werden – und deshalb weiterhin bestehen bleiben.

Vor vierzig Jahren, im Juni 1979, wurde das Europäische Parlament zum ersten Mal direkt gewählt. Vierzig Jahre zuvor, 1939, war eine Generation junger Europäer gezwungen, gegeneinander zu kämpfen. 55 Millionen Menschen wurden im Zweiten Weltkrieg getötet.

Seither war das gemeinsame Wirken zur Lösung von Problemen und zur Beilegung von Differenzen der Garant für Frieden und Einigkeit in Europa. Diese Erkenntnis hat einen hohen Preis gekostet. Sie darf weder vergessen, noch durch Apathie oder Feindseligkeiten in den Hintergrund gerückt werden.

Die Zustimmung für die Europäische Union erreicht in Meinungsumfragen Rekordwerte. Dies muss sich jetzt auch an der Wahlurne niederschlagen. Wir haben den größten Binnenmarkt der Welt. Unsere Werte und Traditionen – die Würde aller Menschen, Freiheit, Demokratie, Recht und Frieden – sind das Fundament unserer Lebensweise.

Europa braucht mehr denn je seine Bürger. Deshalb appellieren wir, der Präsident des Europäischen Parlaments sowie ehemalige Präsidenten des Europäischen Parlaments, an die Menschen in Europa, ihr Recht, aber auch ihre Verantwortung als Bürger wahrzunehmen und bei den bevorstehenden Wahlen zum Europäischen Parlament ihre Stimme abzugeben.

Der Artikel ist unterzeichnet vom derzeitigen Präsidenten des Europäischen Parlaments, Antonio Tajani, sowie von den ehemaligen Präsidenten Lord Plumb (1987 – 1989), Enrique Barón Crespo (1989 – 1992), Klaus Hänsch (1994 – 1997), José María Gil-Robles (1997 – 1999), Pat Cox (2002 – 2004), Josep Borrell Fontelles (2004 – 2007), Hans-Gert Pöttering (2007 – 2009) und Jerzy Buzek (2009 – 2012).

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