Studie zeigt abnehmende Unterstützung für Merkel: Europäer verlieren weiter Vertrauen in die EU

Studie zeigt abnehmende Unterstützung für Merkel : Europäer verlieren weiter Vertrauen in die EU

Die Schuldenkrise untergräbt einer Umfrage zufolge europaweit immer stärker das Vertrauen der Bürger in die EU. Nur noch 45 Prozent der Befragten in acht EU-Staaten äußerten in einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Washingtoner Pew Research Center Zustimmung zur Europäischen Union. Vor einem Jahr lag der Wert noch bei 60 Prozent.

Ungeachtet dessen ist das Vertrauen in Deutschland weiterhin hoch: In sieben EU-Staaten gaben die Befragten an, dass sie der Bundesrepublik am meisten vertrauten - Franzosen ebenso wie Briten, Italiener, Spanier, Tschechen, Polen und die Deutschen selbst. Nur die Griechen gaben an, sie vertrauten am meisten sich selbst.

Entgegen der scharfen Kritik in vielen Ländern am Sparkurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel bescheinigen ihr die Befragten in fünf Nationen eine gute Arbeit im Umgang mit der Finanzkrise. Von den befragten Deutschen sind 74 Prozent der Meinung, Merkel mache einen guten Job. Im vergangenen Jahr waren es allerdings noch 80 Prozent. Auch 73 Prozent der Franzosen, 72 Prozent der Polen, 61 Prozent der Tschechen und 56 Prozent der Briten äußerten sich positiv über das Krisenmanagement der Kanzlerin.

Allerdings hat die Unterstützung für Merkel abgenommen: um 24 Prozentpunkte in Spanien, 19 Punkte in Italien, um zehn Punkte in Großbritannien und je sechs Punkte in Tschechien und Deutschland. Eine große Mehrheit der Griechen (88 Prozent) ist gar der Meinung, Merkel mache ihre Sache schlecht - 64 Prozent davon bescheinigen ihr einen sehr schlechten Job. Auch 57 Prozent der Spanier kritisieren Merkel, ebenso 50 Prozent der Italiener.

Sparpolitik sorgt für Spaltung

Was das Vertrauen in die EU anbelangt, so stellen die Autoren eine Kluft zwischen der öffentlichen Meinung in Ländern wie Deutschland und Frankreich fest. "Die Franzosen haben mittlerweile weniger Vertrauen in die Institution der Europäischen Union als die Italiener oder die Spanier." Für eine Spaltung und eine zunehmende Isolation Deutschlands sorgt insbesondere die Sparpolitik in Europa. "Insgesamt unterstreicht die Umfrage 2013 deutlicher als je zuvor die unterschiedlichen Ansichten der Deutschen und der anderen Europäer", resümieren die Autoren. Während in Deutschland drei Viertel (2007: 63 Prozent) der Befragten die wirtschaftlichen Bedingungen als gut beschrieben, waren es in Spanien nur noch vier (2007: 65 Prozent) Prozent. In Großbritannien gab es einen Einbruch ähnlichen Ausmaßes.

Deutschland gilt als arrogant

Das global tätige Meinungsforschungsinstitut versuchte auch, Stereotypen in den Ländern abzufragen. Danach gilt Deutschland in Polen, Tschechien, Griechenland, Spanien und Italien als das arroganteste Land in der EU. Die Befragten in den drei großen EU-Staaten Deutschland, Frankreich und Großbritannien sehen dagegen die Franzosen als die Arrogantesten an. Auffallend ist, dass jede befragte Nation sich selbst für das Land mit der größten Anteilnahme für andere hält, auch die Deutschen. Bei den am wenigsten mitfühlenden Ländern wird am häufigsten die Bundesrepublik genannt.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle äußerte sich sehr besorgt über das schwindende Vertrauen in die EU. Dem verbreiteten Gefühl von Ohnmacht in der Krise müsse in Europa mit Entschlossenheit entgegengetreten werden. "Wir dürfen jetzt nicht im Reformelan nachlassen", mahnte der FDP-Politiker. Deutschland trage eine besondere Verantwortung und sei zu Solidarität mit den europäischen Partnern und größter Sensibilität im Umgang mit der Krise verpflichtet.

Die Umfrage stützt sich auf eine Befragung von 7600 Bürgern aus acht EU-Staaten im März.

Hier geht es zur Infostrecke: Das Lexikon der Euro-Krise

(REU/felt)