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Milliarden-Hilfen für Athen: Eurogruppe macht Weg für Schuldenschnitt frei

Milliarden-Hilfen für Athen : Eurogruppe macht Weg für Schuldenschnitt frei

Die Eurogruppe hat den Weg zum Schuldenerlass für Athen am Donnerstag mit der Zusage von fast 100 Milliarden Euro Finanzhilfe freigemacht. Alle notwendigen Spar- und Reformmaßnahmen habe Griechenland erfüllt, erklärte Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker nach Beratungen in Brüssel.

"Im Grundsatz haben wir eine positive Entscheidung treffen können, damit wir die für den Umtausch notwendigen Mittel freigeben können", sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. "Jetzt liegt es nur noch an den Gläubigern, das Angebot anzunehmen."

Bevor erste Notkredite fließen werden, müssen die von Athen bis zum Donnerstagmorgen beschlossenen Reformschritte noch abschließend bewertet werden. Die Liste sei so umfangreich, "da schauen wir lieber zwei Mal drauf", sagte Schäuble. Die zweite Bedingung: Es müssen sich ausreichend Banken und Fonds an dem freiwilligen Schuldenerlass beteiligen. Klarheit darüber soll bis zum kommenden Freitag herrschen, dann wollen die Finanzminister die Finanzspritzen vermutlich in einer Telefonkonferenz endgültig freigeben.

Athen hatte seinen Privatgläubigern vor einer Woche ein Angebot für den Anleihenumtausch unterbreitet. Bis zum 8. März müssen die Antworten eingehen. Weil die Regierung ihre Papiere zudem um sogenannte Ausfallklauseln (CACs) ergänzte, wurde das Land von der Ratingagentur S&P auf teilweise zahlungsunfähig herabgestuft. Der frühe Schritt hatte die Eurogruppe kalt erwischt. Um die Zeit der Teilpleite für Athen zu überbrücken, autorisierten die Finanzminister den Eurofonds EFSF schon am Donnerstag zum Rettungseingriff. Er soll bei den Notenbanken 35 Milliarden Euro an Sicherheiten hinterlegen. Gelingt der Schuldenschnitt und wird Athen von S&P wieder hoch gestuft, dann fließen die Sicherheiten aber an den EFSF zurück.

"Die Minister sind zuversichtlich"

Weil das weitere Vorgehen noch unter dem Vorbehalt eines erfolgreichen Schuldenschnitts steht, wurden die weiteren notwendigen Hilfsgelder am Donnerstag noch nicht beziffert. Aus Diplomatenkreisen verlautete, dass die neuen Anleihen der Privatgläubiger mit 30 Milliarden Euro abgesichert werden. Zudem wollen die Europartner 5,5 Milliarden Euro an aufgelaufenen Zinsen übernehmen. Und bis zu 23 Milliarden Euro bekommt Athen schließlich zur Verfügung gestellt, um damit die Verluste der griechischen Banken aus dem Schuldenschnitt aufzufangen. Damit läge die Gesamtsumme bei 93,5 Milliarden Euro.

Erst in der Nacht zum Donnerstag hatte das hellenische Parlament die letzten Sparbeschlüsse abgenickt. "Griechenland hat große Anstrengungen unternommen und ist auf einem guten Weg", lobte Schäuble. Dass darüber hinaus auch ausreichend Banken und Fonds beim Anleihentausch mitmachen, der Athens Schuld um 107 Milliarden Euro drücken soll, davon geht die Eurogruppe jetzt aus. "Die Minister sind zuversichtlich", hieß es in ihrer Erklärung.

Hier geht es zur Infostrecke: Der Kampf um Griechenland - Fragen und Antworten

(APD)