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Nach Spanien-Rettung: Es wird eng unter dem Rettungsschirm

Nach Spanien-Rettung : Es wird eng unter dem Rettungsschirm

Erst Griechenland, danach Irland und Portugal, schließlich Spanien und Zypern - inzwischen sind schon fünf EU-Staaten unter den Euro-Rettungsschirm geflüchtet. Italien könnte bald der sechste werden. 192 der 440 EFSF-Milliarden sind schon verplant.

Für Madrid und Nikosia werden knapp 110 weitere Milliarden Euro gebraucht. Damit bleiben noch 140 Milliarden Euro übrig. Für die Rettung Roms könnte es schon knapp werden. Wer hat eigentlich wieviel aus dem Topf bekommen?

Der erste Fall war Griechenland. Im April 2010 beschloss der EU-Gipfel das erste Rettungspaket in Höhe von 110 Milliarden Euro für drei Jahre, bestehend aus bilateralen Krediten unter Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Ein Jahr später legten die Staats- und Regierungschefs ein zweites Rettungspaket nach, an dem sich neben dem IWF auch die privaten Gläubiger mit einem Forderungsverzicht beteiligten. Das Gesamtvolumen an EFSF-Beiträgen: 144,6 Milliarden Euro (samt 24,4 Milliarden aus dem alten Programm) für die folgenden zwei Jahre.

Dublin beantragte Ende 2010 den Beistand der Euro-Partner, Anfang 2011 flossen die ersten Hilfsmilliarden für Irland. Insgesamt ist das Rettungspaket 85 Milliarden Euro schwer. Der EFSF-Anteil: 17,7 Milliarden Euro. Die letzte Tranche von drei Milliarden Euro ist für Ende 2013 eingeplant.

Im Mai 2011 vereinbarten die EU-Finanzminister Hilfszahlungen in Höhe von 78 Milliarden Euro für Portugal. Das über drei Jahre bereitgestellte Geld fließt zu einem Drittel (26 Milliarden Euro) aus dem EFSF, ein weiteres Drittel kommt aus dem EU-Topf EFSM, der Rest vom IWF.

Nach langem Zögern und auf Druck seiner europäischen Partner hat auch die Regierung in Spanien Ende Juni Finanzhilfen für den heimischen Bankensektor beantragt. Prinzipiell haben die Euro-Finanzminister Spanien bis zu 100 Milliarden Euro zugesagt, von denen 30 Milliarden noch vor Monatsende als akute Nothilfen fließen könnten. Damit soll verhindert werden, dass die Kreditinstitute bei einer Zuspitzung der Krise kollabieren.

Nur wenige Stunden nach Madrid griff auch Zypern nach dem Eurotropf. Der genaue Kapitalbedarf ist indes noch offen und muss von einer Expertenmission geklärt werden. Diplomaten zufolge dürfte er sich aber unter zehn Milliarden Euro bewegen. Ähnlich wie Spanien hatte auch Zypern mit einer "Bankenrettung light" geliebäugelt, um seine eng mit der krisengeschüttelten griechischen Wirtschaft verwobenen Geldhäuser zu rekapitalisieren. Die wird es aber nicht geben: Nikosia muss im Gegenzug für die Hilfe ein umfassendes Anpassungsprogramm erfüllen - samt Einschnitten und Strukturreformen.

Was von den Milliarden übrig bleibt

Mit den drei laufenden Programmen sind 188,3 Milliarden Euro vergeben. Hinzukommt ein Kapitalpuffer von 3,7 Milliarden Euro, mit dem der EFSF seine Topbonität absichert. Minus knapp 110 Milliarden Euro für Spanien und Zypern macht eine verbleibende Feuerkraft von 140 Milliarden Euro. Das bereitet mit Blick auf den italienischen Patienten Sorge.

Tatsächlich laufen die Vorbereitungen der EU für die Rettung Roms auf Hochtouren. Anders als in den bisherigen Fällen ist aber weder ein Rettungsprogramm noch eine "Bankenrettung light" geplant. Vielmehr sollen die Rettungsschirme EFSF oder ESM nötigenfalls am Markt italienische Anleihen aufkaufen und so den Zinsdruck sofort lindern.

Das Problem dabei: Damit die Anleihenkäufe wirken, muss im Rettungsfonds genug Geld zur Verfügung stehen. Dafür muss möglichst bald der robustere ESM aufgespannt werden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Warum Spanien unter den Rettungsschirm flüchtet

(APD)