Arbeitsmärkte im EU-Vergleich: Deutschlands Jugend hat beste Chancen

Arbeitsmärkte im EU-Vergleich : Deutschlands Jugend hat beste Chancen

Sie sind die Leidtragenden der Krise, die sie nicht mit verursacht haben: Die Zukunftsaussichten für Europas Jugend sind düster. Fast ein Viertel der 14- bis 25-Jährigen findet keinen Job. Besonders dramatisch ist die Situation in den Euro-Krisenstaaten. Deutschland steht bestens da.

Wie sich die Nachrichten in der Euro-Krise häufig gleichen: Wenn die Zahlen über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einzelner Länder in der Euro-Zone veröffentlicht, die Situation auf dem Arbeitsmarkt publik oder Konjunkturaussichten bekannt gegeben werden, steht Deutschland europaweit stets am besten da.

So auch bei den nun veröffentlichten statistischen Erhebungen zur Jugendarbeitslosigkeit. Im Juni lag sie in der Bundesrepublik bei 7,9 Prozent, in der gesamten EU dagegen bei 22,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte. Ein ähnlich niedrige Quote wie Deutschland wiesen laut der Statistiker lediglich Österreich (8,8 Prozent) und die Niederlande (9,3 Prozent) auf.

Spanien mit 52,7 Prozent

Besonders schwer ist die Jobsuche laut Statistik für junge Leute in den Euro-Krisenstaaten Spanien und Griechenland, wo mehr als die Hälfte der Arbeitswilligen im Juni vergebens eine Stelle suchten. In Spanien lag die Quote bei 52,7 Prozent, in Griechenland bei 52,8 Prozent. Im Vergleich zu April 2008, vor Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise, habe sich die Jugenderwerbslosigkeit in beiden Ländern damit mehr als verdoppelt.

Als einziges europäisches Land hat Deutschland die Zahl der jungen Erwerbslosen im untersuchten Zeitraum sogar senken können, von 10,6 Prozent im April und 8,8 Prozent im Juni 2011 auf aktuell 7,9 Prozent. Woran aber liegt es, dass Deutschland den Rest Europas abhängt? Es gibt unterschiedliche Erklärungsansätze.

Deutschland steht gut da

Ein Grund für die positiven Arbeitsmarktzahlen liegt in der dualen Berufsausbildung. Auch wenn den Jugendlichen kein akademischer Abschluss winkt, so werden sie doch früh in die praktische Arbeit eines Betriebs eingebunden. Nebenbei erhalten sie das theoretische Fundament ihrer Ausbildung. Auf diese Weise wird der Einstieg ins Berufsleben erleichtert.

In einem Beitrag der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hatte Spaniens Arbeitsmarktminister Wert genau diese beiden Hauptprobleme des spanischen Ausbildungssystems genannt: Sie habe ein schlechtes Ansehen und sei antiquiert. Und die Ausbildung beinhalte zu 80 Prozent Theorie und nur zu 20 Prozent Praxis.

Der demografische Wandel trifft Deutschland besonders hart. Die Deutschen werden immer älter, die Geburtenraten fallen, und in den kommenden Jahren soll die Zahl der 15- bis 24-Jährigen weiter sinken. Für jugendliche Arbeitssuchende aber ist diese Entwicklung von Vorteil.

Nicht nur in Deutschland wird die Einführung eines flächendeckenden, gesetzlichen Mindestlohns kontrovers diskutiert. Für nicht wenige Wirtschafts- und Arbeitsmarktexperten liegt in dieser in einigen europäischen Ländern geltenden Regelung genau das Problem.

Risikogruppe Berufsanfänger

Berufsanfänger fehlen Erfahrung und betriebsspezifisches Wissen — für Unternehmen ein schwer zu kalkulierender Kostenfaktor: Damit die Rechnung aufgeht, sollten junge Arbeitnehmer so viel an Geld einbringen wie sie durch die Regelung des gesetzlichen Mindestlohns den Unternehmen kosten.

Ausgabenkürzungen und Sparzwang — die lang anhaltende Euro-Krise deckt die strukturellen Missstände einzelner Staaten schonungslos auf. Viele Regierungen schauen mittlerweile auf das Vorbild der deutschen Berufsausbildung, wenn es um die Einbindung der Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt geht und streben nach Kooperation.

Ein Beispiel für die wachsende Zusammenarbeit auf dem Arbeitsmarkt: Anfang Juli hatten Bundesbildungsministerin Annette Schavan und ihr spanischer Amtskollege Minister Wert Ortega eine enge Kooperation in der beruflichen Bildung vereinbart.

Spanien will duales System

Im Mittelpunkt der deutsch-spanischen Konsultationen standen konkrete Maßnahmen gegen die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien vor dem Hintergrund der deutschen Erfahrungen mit dem dualen System. "Wir können nicht zulassen, dass eine ganze Generation junger Menschen verloren geht", hatte Schavan vor einigen Wochen gesagt.

"Wir haben sehr gute Erfahrungen mit dem deutschen dualen Berufsbildungssystem gesammelt. Spanische Unternehmen, die in Deutschland eine Niederlassung haben, sind wichtige Botschafter. Und deutsche Unternehmen stehen auch in Spanien bereit, nach diesen Grundsätzen auszubilden."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Warum Spanien unter den Rettungsschirm flüchtet

(nbe)
Mehr von RP ONLINE