Frankreichs Präsident François Hollande: "Deutsch-französischer Motor überbewertet"

Frankreichs Präsident François Hollande : "Deutsch-französischer Motor überbewertet"

Frankreichs neuer Präsident François Hollande sieht beim Thema Eurobonds keine unüberbrückbaren Differenzen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Sie hat nicht niemals gesagt. Sie sagt: nicht sofort."

Das betonte der Nachfolger von Nicolas Sarkozy am Dienstagabend in einem Interview des Fernsehsenders France 2. Dies zeige, dass es Kompromisse geben könne.

Kritisch äußerte sich Hollande hingegen über das Bild des starken deutsch-französischen Motors, der Europa alleine antreiben könne. "Einziger Motor? Ich glaube nicht, dass das die richtige Herangehensweise ist", sagte Hollande. "Wir brauchen eine Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland, die die anderen mitziehen kann. Aber wir brauchen die Anderen. Man darf die Anderen nicht ausschließen, indem man sagt: Wartet, bis wir uns geeinigt haben."

Hollande spielte damit offensichtlich auf die Vorwürfe an, die es während der Amtszeit seines Vorgängers Sarkozy gab. Bis zu dessen Wahlniederlage am 6. Mai hatte es wiederholt Kritik an der Dominanz des Paares "Merkozy" in der EU-Politik gegeben. Merkel und Sarkozy hatten auch Diskussionen über die sogenannten Eurobonds unterdrückt, die Hollande jetzt wieder aufleben lässt.

Gemeinschaftliche Staatsanleihen könnten es angeschlagenen Staaten wie Spanien und Italien ermöglichen, sich zu niedrigeren Kosten Geld zu leihen. Gleichzeitig gäbe es aber auch eine gemeinsame Haftung bei Staatsschulden. Für Deutschland würden die Finanzierungskosten voraussichtlich steigen.

(dpa)