Bisphenol A Gefahr durch BPA in Plastikverpackung führt zu Streit unter EU-Behörden

Paris · Aus Plastikflaschen und anderer Verpackung könnte sich die Chemikalie BPA lösen und so mit der Nahrung in den Körper gelangen. Dieser Sorge gehen zwei EU-Behörden nach – und ziehen unterschiedliche Schlüsse.

Eine Frau trinkt aus einer Plastikflasche (Symbolbild).

Eine Frau trinkt aus einer Plastikflasche (Symbolbild).

Foto: dpa/Paul Zinken

Zwei Überwachungsgremien der EU sind im April diesen Jahres zu sehr unterschiedlichen Einschätzungen über die gesundheitlichen Gefahren durch die Chemikalie Bisphenol A (BPA) gekommen, die in Plastikverpackungen und -behältern vorkommt. Während die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die Chemikalie nach einer Neubewertung durch Experten drastisch einschränken will, sieht die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) eine Gefahr nicht wissenschaftlich nachgewiesen.

Die EFSA erklärte, dass die BPA-Belastung durch Nahrungsaufnahme „für Verbraucher aller Altersgruppen ein gesundheitliches Problem“ darstellt. Hunderte von Studien, die ihre Experten überprüft hätten, deuteten demnach darauf hin, dass BPA mit einem Anstieg weißer Blutkörperchen in Verbindung gebracht wird, was „zur Entwicklung von allergischen Lungenentzündungen und Autoimmunerkrankungen führen könnte“. Die EFSA forderte, die zulässige Tageshöchstmenge für Verbraucher in der EU drastisch zu senken.

Die EMA schloss sich dieser Empfehlung jedoch nicht an, was zu einer seltenen öffentlichen Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Behörden führte. Die EMA kritisierte die Methodik der Lebensmittelbehörde als zu voreilig, „da ein kausaler Zusammenhang weder in einer Tier- noch in einer Humanstudie nachgewiesen wurde“. Es sei daher nicht möglich, auf einen gemeinsamen Nenner mit der EFSA zu kommen.

Während die EFSA lediglich beratende Funktion für die EU-Kommission und die 27 EU-Mitgliedstaaten hat, prüft die EMA Medikamente für die Zulassung in der EU. Ihre Empfehlungen werden an die Europäische Kommission weitergeleitet, die diesen normalerweise folgt.

BPA wird in einer Reihe von Kunststoffen verwendet, unter anderem in Getränkeflaschen oder Beschichtungen von Dosen. Somit kommen die meisten Menschen beim Verzehr von Lebensmitteln und Getränken damit in Kontakt.

BPA wurde lange Zeit zur Herstellung von Trinkflaschen für Babys eingesetzt. Nachdem Forschungsergebnisse einen Zusammenhang mit mehreren gesundheitlichen Problemen nahelegten, wurde BPA in Kinderprodukten vor etwa zehn Jahren in der EU, den Vereinigten Staaten und anderen Ländern verboten.

(peng/AFP)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort