Mutmaßlicher 11. September-Drahtzieher angeklagt: Erster El-Kaida-Prozess beginnt Ende Oktober

Mutmaßlicher 11. September-Drahtzieher angeklagt : Erster El-Kaida-Prozess beginnt Ende Oktober

Hamburg (rpo). Der erste El-Kaida-Prozess in Deutschland beginnt Ende Oktober. Dann muss sich Mounir El Motassadek verantworten. Der Marokkaner gilt als einer der mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001.

Der erste Prozess in Deutschland gegen einen der mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 beginnt voraussichtlich am 22. Oktober. Dann muss sich der 28-jährige Marokkaner Mounir El Motassadek in Hamburg vor Gericht verantworten, sagte sein Verteidiger Josef Gräßle-Münscher am Montag der dpa.

Die Bundesanwaltschaft wirft Motassadek vor, Mitglied der Terrorgruppe El Kaida von Osama bin Laden zu sein. Er soll mit der Hamburger Terrorzelle die Attentate auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington vorbereitet und somit Beihilfe zum Mord an 3116 Menschen geleistet haben.

Motassedeks Verteidiger sagte: "Bleibt es bei diesem Vorwurf, müssen ihm 3116 Fälle einzeln nachgewiesen werden." Ihm als Wahlverteidiger des Marokkaners seien noch zwei Pflichtverteidiger zur Seite gestellt. Der Vorsitzende Richter Albrecht Mentz am Hamburger Oberlandesgericht betonte allerdings, das Hauptverfahren vor dem Oberlandesgericht sei noch nicht eröffnet. "Wir wissen noch keine Termine", sagte er.

Nach Darstellung von Generalbundesanwalt Kay Nehm war Motassadek in das Netz islamistischer Terroristen eingebunden. Er soll die Hamburger Gruppe um den Todespiloten Mohammed Atta unterstützt haben. Atta saß an Bord eines der entführten Flugzeuge, von denen zwei in die Türme des World Trade Centers in New York und eines in das Pentagon in Washington gesteuert wurden. Der Hamburger Zelle misst Nehm im Zusammenhang mit den Terroranschlägen in den USA eine "große Bedeutung" zu. Atta sei als der "Boss" der unumstrittene Kopf der Gruppe gewesen, zu der nach Nehms Angaben wohl sieben muslimische Studenten gehörten.

Motassadek als Student der Elektrotechnik war im November 2001 in Hamburg festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Laut Nehm soll er mehrere Jahre lang intensive Kontakte zur Hamburger Atta-Gruppe gehabt haben. Er wohnte mit Frau und Kind nur wenige hundert Meter entfernt von der Terrorgruppe in der Harburger Marienstraße und war nach Überzeugung von Nehm "bis zuletzt in die Attentatsvorbereitungen eingebunden". Eine maßgebliche Rolle soll er bei der Finanzierung der Aktivitäten der so genannten Hamburger Islamisten-Zelle um Mohammed Atta gespielt

Der Generalbundesanwalt bezeichnete Motassadek als einen der "Statthalter in Hamburg" für die Zeit, in der die Todespiloten in den USA Flugunterricht nahmen. "Er war ein Rädchen, ohne das die Sache nicht funktioniert hätte", sagte Nehm. Motassadek hatte bei seiner Vernehmung am Bundesgerichtshof in Karlsruhe im Dezember bestritten, in die Pläne der Attentäter eingeweiht gewesen zu sein. Auch eine Verstrickung in das Terrornetz El Kaida wies er von sich.

(RPO Archiv)