Bush-Auftritt: Ermittlungen nach Granatenfund in vollem Gange

Bush-Auftritt : Ermittlungen nach Granatenfund in vollem Gange

Washington/Tiflis (rpo). Nach dem Fund einer Handgranate nahe der Rednerbühne von US-Präsident Bush ermitteln Georgien und die USA, ob es sich wirklich um einen Anschlag auf den US-Präsidenten handelte. Der Chef des georgischen Sicherheitsrats, Gela Beschuaschwili, hatte den Fund einer Granate sowjetischen Typs bestätigt. Seinen Angaben zufolge war die Granate aber nicht "scharf" und habe zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr dargestellt. Die Sicherheitsdienste beider Länder müssen sich trotzdem peinliche Fragen gefallen lassen.

Die Handgranate habe keine Gefahr dargestellt, sagte Beschuaschwili. Sie sei "nicht geworfen worden", sondern von einem georgischen Sicherheitsbeamten am Boden gefunden worden. Ein Sprecher des Secret Service hatte zuvor unter Berufung auf erste Informationen von georgischer Seite gesagt, der Gegenstand - womöglich eine Handgranate - sei aus 30 Metern geworfen worden, habe einen Menschen im Publikum getroffen und sei dann zu Boden gefallen. Ein georgischer Sicherheitsbeamter habe das Objekt dann entfernt. Der Secret Service habe erst nach Bushs Abreise von dem Zwischenfall erfahren.

Ein Sprecher des georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili schloss einen Attentatsversuch kategorisch aus. Die Granate sei auf dem Boden versteckt gewesen, betonte er. Ein Beamter der georgischen Sicherheitsbehörden sagte, die für den Zwischenfall Verantwortlichen hätten mit der Handgranate vor allem Panik verbreiten und eine Absage von Bushs Rede herbeiführen wollen.

Sicherheitsdienst im schlechten Licht

Die USA und Georgien leiteten Ermittlungen ein. Der Granatenfund wirft ein schlechtes Licht sowohl auf die georgischen als auch auf die US-Sicherheitsdienste. Die US-Beamten kontrollieren die Umgebung des US-Präsidenten äußerst scharf. Sie waren schon Monate vor dem Staatsbesuch in Georgien, um das Sicherheitskonzept langfristig vorzubereiten. Zuvor waren bereits Sicherheitsprobleme offensichtlich geworden, als tausende Zuschauer vor dem Auftritt des US-Präsidenten die Absperrungen der Polizei durchbrachen.

Bush hatte am Dienstag in Tiflis vor rund 150.000 Menschen eine Ansprache gehalten. Mehrere Passagen seiner Rede richteten sich mehr oder weniger direkt gegen Russland, dem von Georgien die Einmischung in innergeorgische Konflikte vorgeworfen wird. Vor anderthalb Jahren war die pro-russische Regierung in Georgien nach friedlichen Massenprotesten aus dem Amt getrieben worden. Der neue Präsident Saakaschwili ist westlich orientiert.

(afp)
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