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Rom: Ermittlungen gegen Ex-Vatikanbankchef

Rom : Ermittlungen gegen Ex-Vatikanbankchef

Angelo Caloia soll mit zwei Komplizen rund 60 Millionen Euro veruntreut haben.

Breit und undurchdringlich wirkt das runde Mauerwerk des Nikolaus-Turms. Hier, zu Füßen des Apostolischen Palastes, hat die Vatikanbank ihren Sitz. Wieder einmal erschüttert ein Skandal das Geldinstitut, das mit vollem Namen Institut für die religiösen Werke (IOR) heißt. Der Vatikanstaatsanwalt Gian Piero Milano hat bereits im Oktober Ermittlungen gegen den ehemaligen Bankdirektor Angelo Caloia und Ex-Generaldirektor Lelio Scaletti sowie einen Anwalt aufgenommen. Die drei Männer werden beschuldigt, bei Immobiliengeschäften in den Jahren 2001 bis 2008 Gelder der Vatikanbank von rund 57 Millionen Euro veruntreut zu haben.

Vatikansprecher Federico Lombardi bestätigte die Meldungen, nach denen der Vatikan selbst gegen die Verdächtigen ermittelt. Für Beobachter ist dieser Kurs neu, denn bislang waren es meist italienische Staatsanwälte, die sich an der Undurchdringlichkeit der Mauern des Nikolaus-Turms die Zähne ausbissen. Offenbar, so interpretieren Kenner die Sachlage, ist dem Vatikan unter Papst Franziskus an mehr Transparenz gelegen. Auch die Vatikan-Ermittlungen gegen den wegen Kindesmissbrauchs beschuldigten ehemaligen polnischen Erzbischof Josef Wesolowski deuten in diese Richtung.

Die Beschuldigten Caloia und Scaletti hätten in ihrer Eigenschaft als Bankchefs 29 wertvolle Immobilien in Rom und Mailand zu Schleuderpreisen verkauft. Eigentümer wurden unter anderem mehrere Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen wie den Bahamas, die unter der Kontrolle Caloias und Scalettis standen. Durch den Weiterverkauf zu regulären Marktpreisen sei den Beschuldigten ein Gewinn von rund 57 Millionen Euro geblieben. Vatikan-Ermittler Milano ließ mehrere IOR-Konten der Beschuldigten beschlagnahmen, auf denen bis zu 17 Millionen Euro lagerten. Die Ermittlungen waren nach internen Überprüfungen durch eine externe Finanzberatungs-Gesellschaft in Gang gekommen, die der Vatikan zur Überprüfung der IOR-Konten engagiert hatte.

Anlässlich des Ermittlungsverfahrens ist Angelo Caloia als Präsident der Theologischen Fakultät von Norditalien zurückgetreten. Er legte zugleich sein Amt als Vorsitzender der Dombauhütte des Mailänder Doms nieder. Caloia sei "fassungslos" und "deprimiert" über die Anschuldigungen und werde seine Unschuld darlegen, erklärte er der Nachrichtenagentur ANSA zufolge.

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Jahrzehntelang galt die Vatikanbank als Hort illegaler Geschäfte. Nach der Wahl Jorge Mario Bergoglios im März 2013 stand sogar ihre Schließung zur Debatte. Bereits Benedikt XVI. hatte sich darum bemüht, die Vatikanbank an internationale Standards anzugleichen.

(RP)