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Entspannung in den Kliniken erst im Sommer erwartet

Intensivmediziner besorgt : Entspannung in den Kliniken erst im Sommer erwartet

Mehr als 5500 Covid-Patienten werden derzeit auf deutschen Intensivstationen versorgt. Damit die Krankenhäuser nicht überlastet werden, fordern Experten einen längeren Lockdown.

Die Lage auf deutschen Intensivstationen wird noch über Monate angespannt sein. Davon geht der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notallmedizin (Divi), Uwe Janssens, aus. „Ich rechne damit, dass wir erst im Sommer von einer nachhaltigen Entspannung auf den Intensivstationen sprechen können“, sagte er. „Im ersten Quartal wird die Anzahl der Patienten mit Covid-19 sicher noch über der Marke von 4000 liegen.“

Am Neujahrstag stieg die Zahl der bekannten Infektionen in Deutschland laut Robert-Koch-Institut um 22.924 auf 1,74 Millionen. Die Zahl der Todesfälle legte demnach um 553 auf 33.624 zu. Am 1. Januar wurden nach Divi-Angaben 5598 Patienten auf Intensivstationen versorgt (41 weniger als am Vortag). 3111 von ihnen mussten beatmet werden. Derzeit sind noch etwa 18 Prozent der Intensiv­betten in Deutschland frei, 21.639 waren am Freitag belegt.

Janssens warnte jedoch vor Unklarheiten. „Wir werden erst Ende kommender Woche sehen, wie stark Weihnachten zur Verbreitung von Covid-19 beigetragen hat. Die Effekte von Silvester kommen noch später“, sagte er. Angesichts dessen rief er Bund und Länder dazu auf, bei der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) eine Verlängerung des Lockdowns zu beschließen. „Wir Intensivmediziner raten dringend dazu, bis zu einem Inzidenzwert von unter 25 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner und Woche keine Lockerungen in Aussicht zu stellen“, sagte Janssens. Die Gesundheitsämter müssten in die Lage versetzt werden, wieder Kontaktnachverfolgungen durchzuführen.

In der Debatte um die Finanzlage der Krankenhäuser mahnte er mehr Klarheit an. „Bund und Länder täten gut daran, den Krankenhäusern bei der MPK endlich klare Vorgaben zu machen, ab welchem Inzidenzwert der operative Betrieb eingeschränkt werden muss.“ Sie müssten für eine Finanzierung der Einnahmeausfälle sorgen. „Ansonsten wirtschaftet jedes Haus weiter für sich, um die schon bestehenden Verluste auszugleichen. So lassen sich die Intensivkapazitäten aber nur schlecht koordinieren“, sagte Janssens.

Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) verwies auf weiter steigende Patientenzahlen und warnte vor einer Überlastung der Kliniken. Die Belastung der Krankenhäuser durch die Versorgung von Covid-19-Patienten sowohl auf Normal- als auch auf Intensivstationen steige seit Wochen, erklärte die DKG am Freitag in Berlin.

Die Lage werde nicht mehr nur durch einzelne regionale Hotspots bestimmt, sondern sei insgesamt problematisch, betonte die DKG. Die Kliniken benötigten daher auch für das beginnende Jahr kurzfristig Liquiditätshilfen. Dazu solle bei dem Bund-Länder-Treffen am Dienstag eine Regelung getroffen werden.

(jd/epd)