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Berlin: Enoch zu Guttenberg stolz auf den "Buben"

Berlin : Enoch zu Guttenberg stolz auf den "Buben"

Angesichts von weit mehr als einer halben Million Guttenberg-Unterstützern im Internet hat nur eine verschwindende Minderheit von ihnen am Samstag an Pro-Guttenberg-Demonstrationen in verschiedenen deutschen Städten teilgenommen. Meist kamen nur einige Dutzend bis wenige hundert. Diese mussten sich – wie in Berlin – auch noch den Platz mit Demonstranten teilen, die sich über den zurückgetretenen Verteidigungsminister lustig machten. Den größten Zulauf hatte mit mehreren tausend Teilnehmern eine Kundgebung im oberfränkischen Guttenberg selbst.

Hier warf sich Enoch zu Guttenberg persönlich in die Auseinandersetzung um seinen Sohn. "Ich bin der Falsche, sozusagen ein Plagiat", scherzte er zu Beginn einer knapp zehnminütigen Ansprache. Zur eigentlichen Affäre sagte er nichts. Allerdings übte er scharfe Kritik am politischen Gegner seines Sohnes und an den Medien. Die ganze Familie habe unter "Häme und Selbstgerechtigkeit" gelitten, denen sein Sohn ausgesetzt gewesen sei. Er bleibe jedoch stolz auf seinen "Buben", der sich im Kopf und im Herzen nicht habe "fertigmachen lassen". Er hätte nicht gedacht, dass eine solche "Menschenjagd" nach 1945 noch möglich sei. Die Berichterstattung empfand zu Guttenberg als "Schlachtefest".

Die Demonstration in Guttenbergs Heimatgemeinde hatte die örtliche Junge Union organisiert. Auf einem Transparent zeigten sie mögliche Optionen des Freiherrn auf: "Guttenberg löst erst Seehofer ab und wird dann Bundeskanzler."

Auch CSU-Chef Horst Seehofer erneuerte am Wochenende seinen Appell zu einer Rückkehr Guttenbergs in die Politik. Einen vollständigen Rückzug werde die CSU "auf Dauer so nicht akzeptieren", sagte Seehofer. Zunächst brauche Guttenberg Ruhe, doch nach einer gewissen Entspannung werde man versuchen, ihn auf die politische Bühne zurückzuholen. Auch CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe bekräftigte: "Für ein so großes Talent bleiben die Türen offen. Aber wann er diese offene Tür nutzt, entscheidet er allein." Seehofer nahm CDU-Chefin Angela Merkel vor Spekulationen in Schutz, die Kritik von Bildungsministerin Annette Schavan an Guttenberg ("Ich schäme mich nicht nur heimlich") sei mit ihr abgestimmt gewesen. Er habe "keine Zweifel, dass die Kanzlerin zu Karl-Theodor steht".

Die geringe Teilnahme virtueller Internet-Unterstützer an realen Demonstrationen nannte Grünen-Chef Cem Özdemir im Gespräch mit unserer Zeitung voraussehbar. "Protest mit einem Mausklick am Computer auszudrücken, ist nun einmal etwas anderes, als sich in einer Demonstration mit seinem Gesicht zu etwas zu bekennen", sagte Özdemir. Da sei auch "sehr viel spontaner Ärger dabei" gewesen. Die Parteien seien trotzdem gut beraten, das ernst zu nehmen.

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(RP)