Empörung nach Hinrichtung in USA

Empörung nach Hinrichtung in USA

Bis zuletzt hatten die Verteidiger von Troy Davis um einen Aufschub seiner Exekution gekämpft. Doch am Ende wurde der 42-Jährige trotz erheblicher Zweifel an seiner Schuld und internationaler Proteste mit der Giftspritze getötet. Die Debatte um die Todesstrafe ist damit neu entbrannt.

Jackson/Düsseldorf Die letzten Stunden von Troy Davis müssen schrecklich gewesen sein. Vier Mal soll der Delinquent in der Nacht zum Donnerstag in die Exekutionskammer des Bezirksgefängnisses von Jackson im US-Bundesstaat Georgia geführt worden sein, während seine Anwälte versuchten, die Hinrichtung des 42-Jährigen doch noch abzuwenden. Eine gute Stunde vor dem geplanten Hinrichtungstermin riefen sie erneut den Obersten Gerichtshof in Washington an. Die Kammer beriet stundenlang. Dann, gegen 22.30 Uhr Ortszeit, kam die Nachricht: Antrag abgelehnt. Nun konnte nichts Davis noch vor dem Tod bewahren. An die Gefängnisaufseher gewandt sagte er: "Möge Gott eurer Seele gnädig sein." Um 23.08 Uhr wurde er für tot erklärt, 15 Minuten nach Beginn der tödlichen Injektion.

Bis zuletzt hatten Angehörige und Freunde von Davis auf einen erneuten Aufschub gehofft. Weltweit hatten Menschenrechtsorganisationen und Prominente an die US-Justiz appelliert, die Hinrichtung abzusagen. Davis soll 1989 einen Polizisten erschossen haben. Der Verurteilte beteuerte bis zuletzt, dass er die Tat nicht begangen habe. "Alles was ich fordere ist, dass ihr diesen Fall eingehender untersucht, damit ihr am Ende die Wahrheit erkennt", sagte Davis unmittelbar vor seiner Hinrichtung. Seine Familie und seine Freunde bat er, "seinen Kampf weiter zu kämpfen".

Der Fall von Davis hatte für ein besonders großes Echo gesorgt, weil es erhebliche Zweifel an seiner Schuld gab. Sieben der neun Zeugen, die 1991 gegen Davis aussagten, hatten ihre Aussagen ganz oder in Teilen widerrufen. Andere Zeugen, die nicht vor Gericht gehört wurden, sagten, ein anderer Mann habe die Tat zugegeben. Deswegen sprach sich neben dem früheren US-Präsidenten Jimmy Carter, Papst Benedikt XVI. und dem südafrikanischen Erzbischof Desmond Tutu unter anderem auch die Europäische Union gegen eine Vollstreckung des Todesurteils aus.

Einige Gegner der Todesstrafe forderten die Gefängnismitarbeiter auf, entweder zu streiken oder sich am Tag der geplanten Hinrichtung krankzumelden. Auch mehrere europäische Parlamentarier und Menschenrechtsaktivisten hatten Stunden vor der Exekution noch einmal an den Staat Georgia appelliert, die Hinrichtung zu stoppen.

Der zuständige Generalstaatsanwalt Sam Olens erklärte in einer Mitteilung, mit der Vollstreckung des Urteils sei dem getöteten Polizisten und seiner Familie Gerechtigkeit widerfahren. Die Witwe des 1989 ermordeten Mannes sagte, die Hinrichtung sei kein Anlass zur Freude, aber "eine Zeit der Heilung für alle Familien". Auch sie werde für die Familie Davis trauern, die nun das Leid und den Schmerz verstehen werde, die sie selbst durchgemacht habe. Seine letzten Stunden verbrachte Davis mit Angehörigen, Freunden und Unterstützern. Auf eine Henkersmahlzeit verzichtete er. Vor dem Gefängnis versammelten sich mehrere Hundert Demonstranten, die gegen die bevorstehende Hinrichtung protestierten und beteten. In Europa demonstrierten unter anderem in Paris Menschen für Davis.

Ursprünglich sollte Davis bereits im Juli 2007 hingerichtet werden. Ein Begnadigungsausschuss gewährte jedoch weniger als 24 Stunden vor dem geplanten Vollstreckungstermin einen Aufschub. Ein Jahr später schritt der Oberste Gerichtshof ein und stoppte die Hinrichtung weniger als zwei Stunden, bevor die Giftspritze gesetzt werden sollte. Ein Berufungsgericht stoppte eine weitere geplante Hinrichtung wenige Monate später. Zu diesem Zeitpunkt war der Fall von Troy Davis längst zum Politikum geworden. Weltweit unterzeichneten Hunderttausende eine Petition, um seine Hinrichtung zu verhindern.

Im vergangenen Jahr gab der Oberste Gerichtshof der USA Davis dann die Chance, seine Unschuld zu beweisen. Seine Anwälte konnten die Bundesrichter allerdings nicht davon überzeugen, den Fall neu zu verhandeln. Auch das oberste Berufungsgericht und der Oberste Gerichtshof des Staates Georgia weigerten sich, das Todesurteil zu kippen. Amnesty International warf der US-Justiz gestern Versagen vor. Der Fall zeige, dass das Justizsystem der USA seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht werde.

(RP)
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