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Berlin/Düsseldorf: Elektroautos - wo ist der Zündfunke?

Berlin/Düsseldorf : Elektroautos - wo ist der Zündfunke?

Die "Nationale Konferenz Elektromobilität" soll das Regierungsziel - eine Million E-Autos bis 2020 - retten. Derzeit sind gerade einmal rund 25 000 unterwegs. Bundeskanzlerin Angela Merkel stellt nun neue Kaufanreize in Aussicht.

Durchstarten können Elektroautos viel besser als die allermeisten Wagen mit Otto- oder Dieselmotor. Die Physik ihres Antriebs macht es möglich. Enormes Beschleunigungsvermögen muss jetzt aber auch die Politik beweisen, wenn es doch noch gelingen soll, den Bestand an batteriegetriebenen Fahrzeugen in Deutschland binnen fünf Jahren auf das 40-fache, auf eine Million, zu steigern.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte bei der "Nationalen Konferenz Elektromobilität" eine zusätzliche Förderung von E-Fahrzeugen an. Mit Blick auf die deutlich größeren Erfolge in einigen Nachbarstaaten sagte sie: "Deutschland wird um eine weitergehende Förderung nicht herumkommen, obwohl wir schon einiges gemacht haben." Alle Instrumente würden noch einmal überprüft. Entschieden sei noch nichts, doch solle noch in diesem Jahr eine Antwort gefunden werden: "Ich habe einigermaßen klare Vorstellungen, was die Bundesregierung noch zu leisten hat."

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) räumte ein, das Ziel von einer Million Elektroautos sei ehrgeizig, aber er glaube, "dass wir dieses Ziel erreichen können". Der Minister hält in erster Linie ein anderes Image von E-Fahrzeugen für notwendig: "Ein ökologisches Image alleine reicht nicht - wir brauchen mehr Leidenschaft bei der Elektromobilität." Die Industrie müsse mit dem Fahrspaß des emissionsarmen Fahrens um Käufer werben.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel warnte davor, durch das beständige Wiederholen von nicht erreichbaren Zielen am Ende sich und das Projekt lächerlich zu machen. Er sei dafür, die Ziele dennoch nicht zu reduzieren und sich lieber etwas einfallen zu lassen, um sie zumindest annähernd zu erreichen. "Wir brauchen geeignete Marktanreize", sagte der SPD-Chef. Die von der Industrie geforderte Sonderabschreibung für Firmenfahrzeuge sei ein Modell, ein Beschaffungsprogramm für Elektroautos als Dienstfahrzeuge im öffentlichen Dienst von Bund, Ländern und Gemeinden ein anderes. "Vielleicht braucht man beide."

Derartige Anreize bringen den dringend notwendigen Schub für die Elektromobilität - davon ist Thomas Becker überzeugt. Der Autoindustrie-Experte der Unternehmensberatung Arthur D. Little bescheinigt den Deutschen, sie seien kühle Rechner. Und so lange beispielsweise ein Elektro-"Smart" mit rund 23 000 Euro fast 10 000 Euro mehr als der Smart mit Benzinmotor koste, halte sich die Nachfrage in sehr engen Grenzen.

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Es gelte den Teufelskreis aus kleinen Stückzahlen und hohen Preisen zu durchbrechen, sagt Becker. Die Technik und die Infrastruktur hätten große Fortschritte gemacht, jetzt sei die Politik an der Reihe gewesen. Mit der Ankündigung Merkels könnte der "Knoten geplatzt" sein, sagt Becker. Die Förderung elektrischer Dienstwagen sei der größte Hebel, der sich aktivieren lasse. 60 Prozent aller Neuzulassungen sind Dienstwagen oder Autos in Firmenflotten.

In Frankreich und den Niederlanden sind mit jeweils rund 40 000 Wagen bereits deutlich mehr Elektroautos unterwegs als in Deutschland. Der Staat hat dort steuerliche Anreize geschaffen. In den Niederlanden zum Beispiel sind Käufer von Elektroautos von Umsatz- und Kfz-Steuer befreit. Bei Mittelklassewagen macht das bis zu 8000 Euro aus.

Die deutsche Autoindustrie bietet derzeit rund 20 Modelle mit Elektroantrieb an, die meisten von ihnen haben allerdings nur einen Elektromotor zusätzlich zu einem Verbrennungsmotor (Hybrid-Antrieb). Abgesehen vom Preis haben die allermeisten reinen E-Autos den Nachteil der geringen Reichweite. Die Fortschritte bei der Entwicklung der Batterietechnik sind freilich enorm.

ADAC-Präsident August Markl fordert von der Politik Rahmenbedingungen, die dem Verbraucher konkrete Vorteile bringen, dann könne das E-Auto zur echten Alternative werden. Eine staatliche Kaufprämie - wie sie etwa von den Grünen gefordert wird - lehnt der Autoclub ab, "weil sie einseitig nur wenigen privilegierten Autokäufern zu Gute kommt".

Der Stromanbieter Lichtblick sagt Elektroauto-Besitzern Einnahmen von bis zu 1000 Euro pro Jahr voraus, wenn sie ihren Wagen als Energiespeicher für überschüssigen Strom etwa aus Windparks oder Solar-Anlagen zur Verfügung stellen. Voraussetzung dafür, dass an Strom-Stationen angeschlossene E-Autos im großen Stil als Stromspeicher dienen, ist jedoch ein ausreichend dichtes Netz von Anschluss-Stationen. Die Machbarkeit dieser Super-Batterie hat Lichtblick in einem einjährigen "Schwarmstrom-Praxistest" in Zusammenarbeit mit Volkswagen nachgewiesen, erläutert eine Unternehmenssprecherin.

Ein kleinen Beitrag zur Elektrifizierung des Straßenverkehrs leistet die Bundesregierung, indem sie bis 2018 die Brennstoffzellentechnologie mit 161 Millionen Euro fördert. Brennstoffzellen-Autos können den Strom für ihre Elektromotoren aus Wasserstoff selbst erzeugen. Das im Augenblick noch sehr dünne Netz von Wasserstoff-Tankstellen soll ausgebaut werden. Die Brennstoffzellen-Technologie im Verkehr konkurriert freilich mit dem Ladestecker-Elektroauto: Demnach müssen zwei verschiedene Infrastruktur-Netze ausgebaut werden - eines für Wasserstoff-Tankstellen und eines für Stromladestationen.

(RP)