Eine Bahnstrecke für Afghanistan

Eine Bahnstrecke für Afghanistan

masar-i-sharif (kpk) In Afghanistan rollen auf der ersten längeren Eisenbahnlinie des Landes seit einigen Wochen Güterzüge. Die in russischer Breitspur gebaute 75 Kilometer lange Linie verbindet den Flughafen von Masar-i-Sharif, den zentralen Stützpunkt der Bundeswehr im Norden Afghanistans, mit dem grenznah gelegenen Ort Hairatan. Von dort führt die Bahn weiter ins usbekische Termes. Der dortige Flughafen wiederum ist die zentrale Drehscheibe für Truppentransporte und Versorgung, vor allem für deutsche Streitkräfte.

Betrieben wird die Bahnlinie von der usbekischen Staatsbahn. Der Anschluss an das ehemals sowjetische Bahnnetz ist ein Relikt des Afghanistan-Feldzugs Moskaus in den 80er Jahren. Aus dieser Zeit existiert noch ein zweiter Anschluss an das turkmenische Bahnnetz, der jedoch nur zwei Kilometer misst.

Für den innerafghanischen Verkehr oder gar den Transit von Personen und Gütern spielen diese Streckenäste naturgemäß noch keine Rolle. Die Regierung in Kabul überlegt jedoch, langfristig die wichtigen Zentren des Landes auf der Schiene miteinander zu verbinden. Ein solches Netz könnte bei den geplanten interkontinentalen Bahnverbindungen zwischen Europa und Asien eine wichtige Rolle spielen.

Die Verkehrswege am Hindukusch sind ebenso wie die gesamte übrige Infrastruktur in einem desolaten Zustand. Ihr Aufbau beziehungsweise Wiederaufbau gehört zu den zentralen Vorhaben für die Zeit nach einer Befriedung.

Noch ungelöst ist die Frage, in welchem Abstand die Schienen verlegt werden. Werden die russischen Anschlüsse im Norden zum Maßstab genommen, fahren die afghanische Eisenbahnen auf russischer Breitspur (1520 Millimeter). Orientieren sich de Ingenieure an der vom Iran kommenden Strecke, werden sie die weltweit am weitesten verbreitete Normalspur (1435 Millimeter) verwenden. Der Nachbar im Osten, Pakistan, fährt auf einer dritten Spurweite (1676 Millimeter). Geschichte ist die Spurweite 762 Millimeter. Auf solch schmalen Gleisen fuhr in den 20er Jahren das Bähnchen deutscher Herkunft, das sich König Amanullah Khan von seinem Palast zum Parlament in Kabul bauen ließ.

(RP)