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Ein würdiger Preisträger

Ein würdiger Preisträger

Der tschechische Staatspräsident Vaclav Klaus dachte an einen Scherz, als er von der Verleihung des Friedens-Nobelpreises an die Europäische Union hörte. Und tatsächlich wirkt es künstlich, wenn eine Riesen-Institution, die eine halbe Milliarde Menschen umfasst, auf diese Weise geehrt wird. Nur einmal wurden noch mehr Personen bedacht, als 2001 die Vereinten Nationen und Generalsekretär Kofi Annan den begehrten Preis erhielten.

Gleichwohl hat das Projekt Europa den Preis verdient. Nach zwei verheerenden Weltkriegen, die zwei Mal den alten Kontinent in Schutt und Asche legten, ist es ein Wunder, dass heute ein Krieg zwischen europäischen Kern-Nationen als undenkbar gilt. Selbst die gewaltige Umwälzung nach dem Ende des Eisernen Vorhangs verlief – vom ehemaligen Jugoslawien abgesehen – weitgehend friedlich. Auch dazu trugen die EU und ihre Institutionen bei. Die Überweisungen nach Brüssel entpuppen sich damit als echte Friedensprämie, die gut angelegt ist.

Die Ehrung kommt auch zur rechten Zeit. Denn ausgerechnet das ehrgeizigste Projekt der EU, die gemeinsame Währung, lässt in Zeiten der Krise den Nationalismus wieder aufleben. Gut ist, dass die Regierungen trotz Meinungsverschiedenheiten weiter kooperieren. Als sie das – wie in der 30er Jahren –nicht taten, stand am Ende die Katastrophe.

(RP)