Ein mündiger Patient braucht Information

Kommentar zur Krebsfrüherkennung: Ein mündiger Patient braucht Information

Die AOK-Studie zur Krebsfrüherkennung liefert wichtige Erkenntnisse für die Politik und die Gesundheitsbranche. Beide müssen die Aufklärung der Menschen ernster nehmen.

Für Ärzte gibt es wohl kaum nervigere Patienten als jene, die mit einem Bündel an ergoogelten Falschinformationen über ihre Leiden in die Praxis kommen und eigentlich nur noch das Rezept abholen wollen. Um dem entgegen zu wirken, hilft vor allem eins: sachliche und verständliche Information über Vor- und Nachteile einer Behandlung. Im Fall von Krebsfrüherkennung ist das umso wichtiger, da so vielleicht auch manche Ängste ausgeräumt werden können. Beispiel Darmspiegelung: Der Eingriff gilt zwar als unangenehm. Zugleich bietet die Maßnahme aber entscheidende Vorteile, die keine andere Früherkennungsmethode hat: Noch bei der Diagnose kann durch das Entfernen von Polypen gezielt therapiert und dem Entstehen von Darmkrebs vorgebeugt werden. Um aber die Entscheidung dafür oder dagegen selbstbestimmt treffen zu können, brauchen Menschen wissenschaftlich gesicherte und gut aufbereitete Informationen. Die Bundesregierung ist viel zu spät dran, ein Internetportal mit diesem Anspruch zu schaffen. Und die medizinischen Fachgesellschaften sollten sich an ihren amerikanischen Kollegen ein Beispiel nehmen und regelmäßig die niedergelassenen Ärzte in prägnanter Form über den aktuellen Stand der Forschung informieren.

(jd)
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