Höxter: Ein kleines Stück Ägypten in Ostwestfalen

Höxter: Ein kleines Stück Ägypten in Ostwestfalen

12.000 aus Ägypten stammende Kopten leben in Deutschland. Sie hoffen auf eine offizielle Anerkennung als Religionsgemeinschaft.

Auf dem Rasen vor dem alten Kloster in Brenkhausen bei Höxter sonnt sich eine gut genährte Katze. Freundlich winkend tritt Anba Damian aus der großen Pforte. Der Ägypter trägt ein langes schwarzes Mönchsgewand, dazu einen weißen Vollbart und auf dem Kopf eine Kappe mit zwölf koptischen Kreuzen. Auch um den Hals trägt er dieses Kreuz: Denn Anba Damian ist Bischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Norddeutschland.

Einer Kirche, die sich selbst auf den Evangelisten Markus zurückführt, der im 1. Jahrhundert in Ägypten verstorben sein soll, und die sich analog zu ihren Gläubigen mittlerweile weltweit ausgebreitet hat. Auch nach Deutschland: Hier leben rund 12.000 Kopten, berichtet Bischof Damian. Aus Ägypten stammende Unternehmer und Ärzte, Taxifahrer und Arbeiter. Für sie ist das Kloster in Höxter ein wichtiges Zentrum geworden. Und das ist nicht selbstverständlich, denn als die Kopten das dicht an der Landesgrenze zu Niedersachsen gelegene Gebäude vor 25 Jahren für den symbolischen Preis von einer D-Mark von der Stadt Höxter übernahmen, war es weitgehend verfallen. Selbst Strom und Telefon mussten installiert werden - und von zeitgemäßen Sanitäreinrichtungen konnte keine Rede sein. Und es gab eine Auflagen: Sollte innerhalb von zehn Jahren nicht ein Drittel des Klosters restauriert sein, fiele es zurück an den Staat.

Aber das erwies sich nicht als ein Problem. Besucher, die das Gebäude noch von früher kennen, sind bei jedem Besuch aufs Neue überrascht über die Verwandlung des Klosters. Heute gibt es eine reichhaltig geschmückte und nach koptischer Tradition ausgemalte orthodoxe Kirche in dem Gebäude. Gästezimmer und Ausstellungsräume fehlen ebenso wenig wie eine Klausur für die sieben Mönchspriester, die freilich nur selten alle im Kloster anzutreffen sind: Denn zusammen mit Damian betreuen sie die 18 koptischen Gemeinden in Norddeutschland.

Auch hochrangigen Besuch empfängt Bischof Damian im Kloster häufig. Zu einer großen Jubiläumsfeier kamen unlängst der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Volker Kauder, sowie NRW-Landtagspräsident Andre Kuper. Der frühere Bundestagspräsident Norbert Lammert war ebenso schon in Höxter zu Gast wie der damalige Bundespräsident Horst Köhler. Denn anders als mancher anderer orthodoxer Kirchenvertreter spricht Damian, der vor seinem Eintritt in ein ägyptisches Kloster 1991 als Radiologe in Süddeutschland tätig war, hervorragend Deutsch, und hat die Bedeutung der Ökumene für die Kirchen erkannt. Das machte ihn zum gefragten Gesprächspartner: Im Lutherjahr 2017 war er bei unzähligen ökumenischen Gottesdiensten und Podiumsdiskussionen präsent, und auch ein Katholiken- oder Kirchentag, wie jüngst in Münster, vergeht nicht ohne Beteiligung von Anba Damian.

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Vor allem aber ist der Theologe im Moment mit der Situation seiner nach Deutschland geflüchteten Landsleute beschäftigt. Denn in den letzten Jahren seien rund 6000 koptischen Christen nach Deutschland gekommen. Anlass dafür waren die zahlreichen Anschläge und Attentate auf Christen in Ägypten. "Sie hoffen nun auf Stabilität und eine Verbesserung ihres Status - denn mittlerweile besuchen die Kinder Kindergärten, Schulen und Universitäten in Deutschland", sagt Damian. "Da möchte man schon wissen, ob man irgendwann mit einer gewissen Stabilität rechnen kann und einen Aufenthaltstitel erhält."

Was die Kirche in so einer Situation tun kann? "Die Kirche ist für diese Leute eine zweite Heimat", sagt Damian. "Sie gibt ihnen Halt, Zuwendung, Seelsorge und Beratung." Es gebe Hilfe beim Lernen der deutschen Sprache ebenso wie bei Übersetzungsdiensten, bei der Begleitung zu Gerichten, zum Arzt oder der Behörde. "Das sind immense Aufgaben, die wir zu leisten haben", sagt der Bischof. "Die Zahl und Intensität der Anrufe, die deswegen auch bei mir eingehen, übertrifft jede Vorstellung."

Dazu hofft die koptische Kirche auf eine Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts in Deutschland: Während kleinere, vom Rest der Christenheit nicht unbedingt anerkannte Gemeinschaften, wie die Zeugen Jehovas, diesen Status mittlerweile haben, schmort der Antrag auf Anerkennung der Kopten auf einem Schreibtisch in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf.

(RP)
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