Düsseldorfer Terrorzelle plante Anschlag

Düsseldorfer Terrorzelle plante Anschlag

Düsseldorf (hüw/mar/sg) Die drei mutmaßlichen Al-Qaida-Terroristen, die am Freitag in Düsseldorf und Bochum festgenommen worden sind, haben offenbar einen Anschlag auf eine Großveranstaltung in Deutschland geplant. Nach Angaben der Behörden wollten die Männer einen Sprengsatz mit Metallteilen in einer Menschenmenge zünden. Es habe aber noch kein konkretes Ziel gegeben, sagte Bundesanwalt Rainer Griesbaum. Zudem hätten sie eine Bushaltestelle oder einen Bus ins Visier nehmen wollen. Der Präsident des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, sagte, Veranstaltungen im Großraum Düsseldorf seien ein "potenzielles Ziel". Am 14. Mai wird in Düsseldorf das Finale des Eurovision Song Contest ausgetragen.

Der Hauptbeschuldigte Abdeladim El K. (29), ein ehemaliger Technik-Student in Bochum, soll Anfang 2010 von Deutschland aus in ein Al-Qaida-Lager im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet gereist sein und dort den Auftrag für einen Anschlag bekommen haben. Im Mai 2010 sei er nach Deutschland zurückgekehrt, heißt es. Er habe die ihm bekannten Jamil S. (31) und Amid C. (19) in die Attentatspläne eingebunden. Laut Bundesanwaltschaft begann das Trio im Dezember 2010 mit den Vorbereitungen: Die Männer besorgten sich im Internet Anleitungen zur Herstellung von Sprengstoffen und Zündern und befassten sich mit den Sicherheitsvorkehrungen auf Flughäfen und Bahnhöfen. Ziercke glaubt, dass sieben bis acht Personen diesem Netzwerk angehörten. Eine "endgültige Entwarnung" könne es deshalb nicht geben.

Die Festnahme der drei mutmaßlichen Terroristen hat in Berlin den Streit über die Verlängerung der Anti-Terror-Gesetze befeuert. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) forderte, das bis Januar 2012 befristete Paket zu entfristen. Dagegen stemmt sich die FDP. Sie will jede einzelne Regelung überprüfen und nur solche verlängern, die sich bewährt haben. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sagte, die Festnahmen seien kein Anlass, die Gesetze generell zu entfristen oder zu verschärfen. Auch die innenpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Gisela Piltz, wandte sich gegen eine pauschale Verlängerung der Anti-Terror-Gesetze, die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 eingeführt worden sind. Sie sehen vor, dass die Bundespolizei Sicherheitskräfte in Flugzeugen einsetzen darf. Um Finanztransfers von Terrorgruppen aufzudecken, können die Behörden leichter Auskünfte von Postdienstleistern, Banken und Flugunternehmen abfragen. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagte, die Festnahmen zeigten, dass die Sicherheitsbehörden wachsam seien und die Gefahr des islamistischen Terrors in Deutschland sehr ernst nähmen.

(RP)
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