Düsseldorfer Nazi-Helfer wieder frei

Düsseldorfer Nazi-Helfer wieder frei

karlsruhe/Düsseldorf Die Haftbefehle gegen zwei mutmaßliche Helfer der neonazistischen Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) sind aufgehoben. Der Düsseldorfer Carsten S. und der Thüringer Matthias D. befinden sich seit gestern wieder auf freiem Fuß. Das teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit.

Der Düsseldorfer NSU-Helfer, der nach eigenen Angaben schon seit Jahren aus der Neonazi-Szene ausgestiegen ist, hat ein umfangreiches Geständnis abgelegt. Es bestehe deshalb weder die Gefahr der Tatverdunkelung noch Fluchtgefahr. Die Verdachtsmomente gegen Matthias D. haben sich nach Angaben der Bundesanwaltschaft nicht als ausreichend erwiesen. Er hat zwei Wohnungen in Zwickau für die Terrorgruppe angemietet. Vor einer Woche hatten die obersten Strafverfolger der Republik auch den NSU-Unterstützer Holger G. freigelassen. Alle drei Verdächtigen müssen sich aber weiterhin auf ein Strafverfahren einstellen. Die Ermittlungen dazu sind noch nicht abgeschlossen.

Carsten S. wurde im Februar im Düsseldorfer Stadtteil Oberbilk von der Polizei festgenommen. Der aus Jena stammende ehemalige Funktionär der Jugendorganisation der rechtsextremen NPD hatte zwischen Herbst 1999 und Sommer 2000 eine Handfeuerwaffe des Typs Ceska 83 an das Zwickauer Terror-Trio geliefert, das den NSU gegründet hat. Mit der Waffe ermordeten die beiden Neonazis Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos neun Einzelhändler türkischer und griechischer Herkunft, bevor sie sich bei einer gegen sie gerichteten Polizeiaktion selbst töteten.

Der inzwischen in Düsseldorf lebende Waffenlieferant Carsten S., der zur Tatzeit 19 Jahre alt war, sagte sich später von der terroristischen Neonazi-Szene los und brach alle Kontakte zu Rechtsradikalen ab. 2003 kam er zum Sozialpädagogik-Studium nach Düsseldorf und war später bei der Aidshilfe tätig. Der Vertrag wurde nach der Verhaftung aufgelöst. Nach Ansicht der Bundesanwaltschaft hat sich Carsten S. glaubwürdig vom Rechtsradikalismus abgewandt. Er könne daher mit einer gemilderten Strafe rechnen.

(RP)
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