Persönlich: Dieter Kosslick . . . bekommt Kritik von Regie-Stars

Persönlich: Dieter Kosslick . . . bekommt Kritik von Regie-Stars

Bisher hatte es den Anschein, als pralle Kritik an ihm ab; dieser offene Brief indes dürfte Berlinale-Direktor Dieter Kosslick dann doch nicht kaltlassen. 79 Filmschaffende dringen gemeinsam auf eine Neuausrichtung des Festivals. In wenigen Sätzen fordern sie, dass die Berlinale endlich auf Augenhöhe mit Cannes und Venedig geführt werden solle. Dafür bedürfe es einer "herausragenden kuratorischen Persönlichkeit".

Zu den prominenten Unterzeichnern des Appells gehören Volker Schlöndorff, Fatih Akin, Maren Ade und Doris Dörrie. Der Zeitpunkt für die aufsehenerregende Aktion ist mit Bedacht gewählt. Kosslicks Vertrag läuft bis 2019, Kulturstaatsministerin Monika Grütters führt bereits Gespräche über die Nachfolge des 69-Jährigen, der die Festspiele seit 2001 leitet. Kosslick wechselte damals von der Filmstiftung NRW nach Berlin. Dem gebürtigen Pforzheimer gelang es zwar, Deutschlands wichtigstes Filmfest zu popularisieren; die Zuschauerzahlen stiegen enorm. Zugleich wurde die Kritik an seiner Arbeit aber immer lauter; er sei eher Eventmanager denn Kurator mit Kunstsinn, heißt es. Kosslick inszeniere sich auf dem roten Teppich allzu sehr als Gute-Laune-Bär, und er vernachlässige das Profil der Berlinale, die sich als das politische unter den europäischen Festivals begreift. Der Wettbewerb zeige "künstlerisch entbehrliche Filme", klagte der Filmkritikerverband bereits 2011. Und das unübersehbare Angebot an neuen Sektionen und Sonderreihen weise eine "dubiose Breite" auf. Tatsächlich erlebten wegweisende deutsche Filme anderenorts ihre Premiere, darunter die viel gelobte Produktion "Wild" von Nicolette Krebitz. Der Begriff von der Berlinale als "qualitativ gefährdeter Marke" machte die Runde.

"Ich habe eh immer Schwierigkeiten, die Filme zu begreifen, das weiß man ja aus der Presse", ätzte Kosslick bei der Gala 2017. Deutschlands Kino-Elite fordert nun die radikale Wende - und zwar mit einer Persönlichkeit, "die für das Kino brennt".

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Philipp Holstein

(RP)