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Die Zukunft der Arbeit

Die Zukunft der Arbeit

Heute ist Tag der Arbeit. Wir gehen auf den folgenden fünf Seiten den Fragen nach, was Arbeit uns bedeutet, wie sie sich verändert hat und wie sie sich noch verändern wird.

Was möchtest du einmal werden?" Hat man oft gehört. Und später noch öfter: "Und, was machst du so?" Früh lernen wir, dass Arbeit und Beruf mehr ausmachen als die Notwendigkeit, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Arbeit verleiht Identität, Status; sie bestimmt die Rolle, die der Einzelne in der Gesellschaft einnimmt, ob er will oder nicht. Ich arbeite, also bin ich, lautet das Mantra westlicher Industrienationen. Wer nicht arbeitet, steht unter Verdacht - sofern er sich nicht im Kranken- oder Ruhestand befindet. Denn Arbeit gilt nicht nur als Legitimation von Eigentum: Nur wer arbeitet, darf auch mitreden.

Das war nicht immer so. Und vieles deutet darauf hin, dass es nicht so bleiben wird.

Weder die alten Griechen noch die Römer hätten Verständnis für die heutige Arbeitswut. Sie zogen die schönen Künste vor. Es sind die Christen , die die Arbeit aus dem Ghetto der Geringschätzung befreien. Der Messias umgibt sich mit Malochern: Jeder dritte Jünger Jesu ist Fischer, Paulus ein Zeltmacher. Von ihm sind die Worte überliefert: "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen."

Reformer lieben diesen Satz. Martin Luther wird sich auf ihn berufen, ebenso Franz Müntefering, Arbeitsminister von der SPD, der damit einst Hartz IV verteidigte. Im 19. Jahrhundert entsteht die arbeitsteilige Gesellschaft und mit ihr die mächtigste Bewegung seit dem Christentum: die Arbeiterbewegung. Sie bringt nicht nur die Segnungen des Sozialstaats hervor, sondern wird auch missbraucht von Menschenschlächtern wie Stalin, Hitler, Mao, ebenso von jenen, die im "Arbeiter- und Bauernstaat" eine Diktatur errichten.

Am Beginn des 21. Jahrhunderts ist Arbeit ein Menschenrecht, zugleich sind Roboter und künstliche Intelligenz aus der Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Arbeit bedeutet immer weniger verschleißenden Körpereinsatz. Sie löst sich von Präsenz. Grenzen zwischen Beruf und Freizeit verschwimmen. Vieles ist im Fluss. Als größte Konstante kristallisiert sich heraus: Was automatisiert werden kann, wird automatisiert werden. Mensch und Maschine gehen eine Symbiose ein. Dieser Prozess hat längst begonnen. Er wird aber an Tempo zulegen und nahezu alle Berufsgruppen erfassen.

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Wohin das führen könnte, haben rund 300 Wissenschaftler in der Studie "2050 - die Zukunft der Arbeit" zu ergründen versucht. Keine andere aktuelle Untersuchung wagt einen derart weiten Blick nach vorn. In den nächsten zehn bis 20 Jahren werden demnach durch digitalen Darwinismus immer mehr Berufsgruppen und Tätigkeiten von Automaten übernommen. Da, wo heute noch jemand Kunden berät, steht morgen ein Touchscreen plus Sprachschnittstelle. Damit, so die Forscher, beginne der Übergang in ein gänzlich neues System des Arbeitens und Wirtschaftens, an dessen Ende vielleicht das Prinzip der Lohnarbeit überholt sei.

Schöne neue Welt? Nicht ganz. Bisher hat zwar noch jede neue Technologie mehr Arbeitsplätze geschaffen als vernichtet. Nahezu einhellig erwarten die Experten jedoch zunächst eine global steigende Arbeitslosenquote, von heute etwa sechs Prozent auf elf Prozent im Jahr 2020, mit einer kontinuierlichen Steigerung auf 24 Prozent bis zum Jahr 2050. Die Prognose könnte deutlich günstiger ausfallen, hielten der Umbau der Sozialsysteme, des Bildungswesens und die Gestaltung von Arbeit annähernd mit dem rasanten Wandel mit. Das aber ist schon jetzt nicht der Fall.

Angesichts solcher Szenarien glauben 60 Prozent der an der Studie beteiligten Forscher an die Notwendigkeit eines bedingungslosen Grundeinkommens. Ein Argument dafür lautet: Die meisten hochentwickelten Länder zeigten längst, dass ein garantierter Mindest-Lebensstandard der sicherste Weg zu besserer Bildung, weniger Kriminalität, höherer Lebensqualität sei und eben nicht in flächendeckendes Schmarotzertum münde. Finanziert werden könnte ein solches Grundeinkommen durch den Anteil des Staates an der höheren Wertschöpfung, die aus den neuen Technologien entsteht. Dass künftig Roboter als Steuerpflichtige geführt werden könnten, erscheint hingegen unwahrscheinlich.

Dennoch: Den Menschen wird die Arbeit auch in Zukunft nicht ausgehen. Jobs werden entstehen, von denen heute noch niemand etwas ahnt. Innenausstatter für virtuelle Räume vielleicht. Oder Fachleute, die Robotern ihre Menschen erklären, weil auch die cleverste künstliche Intelligenz niemals mit Marotten, Emotionen und unlogischen Handlungen von Wesen aus Fleisch und Blut zurechtkommen wird. Wenn Menschen weniger körperlich arbeiten, bedeutet das Wachstum für den Gesundheits- und Fitnessbereich. Und wenn sie mehr Zeit haben, wird das neue Bedürfnisse und Dienstleistungen bei Entertainment, Kunst oder Erlebnis-Kultur nach sich ziehen. Wer weiß? Arbeit wird vielleicht irgendwann vollständig von den Gesetzen des Geldes entkoppelt sein und so definiert werden, dass jemand etwas Sinnvolles tut.

Als sicher gilt: Es wird noch weniger feste Anstellungsverhältnisse und noch mehr freiberufliche sowie selbstständig Tätige geben - Wissensnomaden, die ihre Kenntnisse wenn nicht virtuell, dann an unterschiedlichen Orten und in unterschiedlichen Teams einbringen. Das Ende der hierarchischen Führungskultur naht. Wir haben uns auf Patchwork-Karrieren einzustellen, auf lebenslanges Lernen und nicht zuletzt auf neue Konkurrenz: Wenn wissensbasierte Arbeit von jedem Ort ausgeübt werden kann, wird jede Stelle mit Mitarbeitern aus aller Welt besetzbar.

Die Schlüsselfähigkeit wird die sein, sich selbst etwas beizubringen. Schon in der Schule wird es darauf ankommen, Kinder mit selbstständigem Unternehmertum vertraut zu machen. Kritisches Denken und die Fähigkeit, Technologien zu beherrschen, werden mehr denn je ausschlaggebend sein für die persönliche Entwicklung. Denn die Arbeit der Zukunft wird nicht länger von oben, sondern von unten organisiert. Was bedeutet, dass sie auch in Zukunft nicht immer leicht sein wird.

So deutet vieles darauf hin, dass die Frage für junge Menschen nicht mehr lange die sein dürfte, was sie einmal werden möchten. Entscheidend dafür, Ziele, Ideen, Träume in der künftigen Welt der Arbeit zu verwirklichen, werden die frühe Besinnung auf Talent und die Bereitschaft zu Engagement sein. Die wichtigste Frage, die beantwortet werden muss, wird dann lauten: Wer möchte ich einmal werden?

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(RP)