Düsseldorf: Die unsichere Zukunft der deutschen Atomanlagen

Düsseldorf : Die unsichere Zukunft der deutschen Atomanlagen

Seit fast vier Jahrzehnten streitet die deutsche Öffentlichkeit über die Kernkraft. Ihren Höhepunkt erreichte die Kritik Mitte der 70er Jahre mit den Großdemonstrationen gegen die Anlagen in Brokdorf. In den 80er Jahren gab es massive Proteste gegen das mögliche Endlager im niedersächsischen Gorleben. Im Jahr 2000 einigte sich schließlich die rot-grüne Bundesregierung mit den Energieversorgern auf einen schrittweisen Ausstieg aus der Atomkraft bis zum Jahr 2021. In Folge dieses Konsenses wurden die beiden Anlagen in Stade (Niedersachsen) und Obrigheim (Baden-Württemberg) abgeschaltet. Die übrigen Atomkraftwerke liefen unbehelligt von möglichen Bürgerprotesten störungsfrei.

Doch die Lage wandelte sich abermals, als die schwarz-gelbe Koalition im Jahr 2010 die Laufzeiten der Reaktoren um durchschnittlich zwölf Jahre verlängerte. Auf besondere Empörung stieß der Beschluss, auch die Altanlagen acht Jahre länger am Netz zu halten, als es der Atomkonsens von 2000 vorsah. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte sich für eine moderatere Laufzeitverlängerung von im Schnitt acht Jahren stark gemacht, sich aber nicht durchsetzen können.

Die gefährlichen Störfälle in Fukushima und an anderen Standorten in Japan werden die Diskussion über die Zukunft der Atomkraft in Deutschland abermals anheizen. Die erste Nuklearanlage ging hier zu Lande 1961 ans Netz. Derzeit laufen in der Bundesrepublik noch 17 Kernkraftwerksblöcke an zwölf Standorten mit einer Leistung von 21 500 Megawatt. Sie tragen fast ein Viertel zur deutschen Stromerzeugung bei. Japan ist zu 30 Prozent in der Stromproduktion von seinen Nuklearanlagen abhängig. Alle deutschen Parteien sehen in der Kernkraft eine Übergangstechnologie.

(RP)
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