1. Politik

Die landesweite Inzidenz bestimmt in NRW das Öffnungstempo - und nicht die regionale

Nach den Bund-Länder-Beratungen : Landesweite Inzidenz bestimmt Öffnungen

Inwiefern Städte mit niedrigeren Infektionszahlen schneller lockern dürfen, ist noch unklar. Die Schulen starten für die älteren Schüler am 15. März - im Wechselmodell. Warum Lehrer und Eltern dennoch nicht zufrieden sind.

Die NRW-Landesregierung hat die Öffnung der Außengastronomie für den 22. März in Aussicht gestellt. Wenn die Sieben-Tage-Inzidenz zu diesem Zeitpunkt stabil unter 100 liege, könnten außerdem dann auch Theater-, Konzert- und Opernhäuser sowie Kinos wieder öffnen. Das geht aus der neuen Coronaschutzverordnung hervor, die das Land am Freitag veröffentlichte. Kontaktfreier Sport wäre im Innenbereich wieder möglich sowie Kontaktsport im Außenbereich.

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Entscheidend für weitere Öffnungen sei die Inzidenz im Landesdurchschnitt, stellte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) klar. Inwiefern es in einzelnen Kommunen mit geringem Infektionsgeschehen darüber hinaus Lockerungen geben könne, will die Landesregierung noch prüfen.

NRW setzt mit der neuen Coronaschutzverordnung die Bund-Länder-Beschlüsse vom Mittwoch um. Diese sehen allerdings bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 zusätzlich einen tagesaktuellen Schnell- oder Selbsttest vor sowie eine Terminbuchung.

Schon von Montag an sollen in NRW wieder Buch- und Schreibwarenläden, Blumengeschäfte und Gartenmärkte öffnen - auch ohne Termin. Einzelhandel, Museen, Galerien, Burgen, Schlösser oder Zoos hingegen dürfen nur nach vorheriger Terminbuchung unter Auflagen wieder aufmachen. In kleineren Geschäften darf sich nur eine Person pro zwanzig Quadratmeter aufhalten.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) konkretisierte am Freitag, dass die Klassen fünf bis neun sowie der Zehnerjahrgang an Gymnasien vom 15. März an zumindest tageweise wieder in die Schule zurückkehren. Den Schulen ist dabei überlassen, welches Wechselmodell sie wählen. Einzige Einschränkung: Länger als fünf Unterrichtstage hintereinander darf kein Schüler mehr im Distanzunterricht sein, und es müssen feste Gruppen gebildet werden. „Gerade für die Kinder waren die letzten Monate äußerst beschwerlich“, sagte Gebauer. Weil die Schüler sich seit Mitte Dezember im Homeschooling befänden, könne nicht gleich mit regulärem Unterricht begonnen werden: „Die Schüler müssen erst wieder ankommen, auch emotional“, sagte Gebauer. Die Leistungsüberprüfung solle in den ersten Tagen nicht im Mittelpunkt stehen. Sollte sich die Infektionslage wieder verschlechtern, müsse darauf flexibel reagiert werden.

Aus Sicht des Philologenverbands NRW reichen die Räume für Wechselmodelle nicht an allen Schulen: „Schon mit der Beschulung der Abschlussklassen sind an vielen Schulen bereits die Räumlichkeiten erschöpft“, sagte die Landesvorsitzende Sabine Mistler unserer Redaktion. Daher könnten an Gymnasien und Gesamtschulen in den zwei Wochen vor den Osterferien die anderen Jahrgänge nicht in großem Umfang beschult werden.

Zudem sorgen sich Lehrer und Eltern um den Gesundheitsschutz. „Wir müssen die Schüler zweimal pro Woche testen lassen“, sagte die Landesvorsitzende des Elternvereins, Andrea Heck, unserer Redaktion. Ein Test pro Woche sei zu wenig. Gleichzeitig müsse klar sein, dass bei einem positiven Schnelltest-Ergebnis der dann erforderliche PCR-Test kostenlos sei.

Auch für alle anderen Bürger wird es Laumann zufolge nicht gleich am Montag die versprochenen kostenlosen Tests einmal pro Woche geben. Nicht Verfügbarkeit sei das Problem, sondern wer den Test abnehme. Bis April sollen die Länder eine Test-Infrastruktur aufbauen.

Leitartikel

(kib)