Die Hassprediger im Internet

Die Hassprediger im Internet

Der unfassbare Massenmord von Oslo und Utoya lag erst wenige Stunden zurück, da tauchten im Internet die ersten rechtsextremen Hassprediger auf, um die Tat zu verharmlosen. Anders Breivik sei "ein seriöser politischer Denker mit guten Ideen", heißt es auf der Internetseite einer rechtsextremen US-amerikanischen Zeitschrift. Nach allem, was in dem wirren Manifest Breiviks zu lesen ist, fühlte sich der Mörder mit den blonden Haaren und den blauen Augen in der virtuellen Welt der Rechtsextremisten pudelwohl, man tauschte sich über den Bau von Bomben und die vermeintliche "Islamische Kolonisierung Europas" aus.

Müssen freie Gesellschaften die Verbreitung solcher todbringender Gedanken tolerieren? Zu einem gewissen Grad schon. Die Meinungsfreiheit hat mit dem Internet jede Grenze der Kontrolle gesprengt. Das Netz ist eine Hydra. Löscht man eine Seite, wachsen mindestens zwei neue nach. Ein internationaler Hass-Filter lässt sich schwerlich realisieren.

Die Forderungen der Politik nach Internet-Streifen klingen in einer Zeit der Wut gut, gaukeln aber nur Sicherheit vor. Besser geschulte Polizisten, spezielle Such-Software und eine internationale Verzahnung der Behörden sind gewiss richtig. Wer die freie Gesellschaft schützen will, kommt mit Unfreiheit aber nicht weiter. Nur mit radikaler Aufklärung.

bericht: attentäter: ich hatte . . ., titelseite

(RP)