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Keine Haftpflicht für freiberufliche Hebammen: Die Geburtshilfe steht vor dem Aus

Keine Haftpflicht für freiberufliche Hebammen : Die Geburtshilfe steht vor dem Aus

Freiberufliche Hebammen bangen um ihre Existenz: Ab 1. Juli 2015 bietet kein Versicherer mehr eine Berufshaftpflicht für sie an. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will helfen.

Die Geburtshäuser in NRW sind von der Schließung bedroht. In Düsseldorf und Viersen müssten die Einrichtungen nach eigenen Angaben die Arbeit einstellen, wenn die freiberuflichen Hebammen ab Sommer 2015 nicht mehr haftpflichtversichert wären und damit keine Geburtshilfe sowie Vor- und Nachsorge mehr anbieten könnten. Ohne Berufshaftpflicht dürfen Hebammen in Deutschland nicht arbeiten.

"Das kommt einem Berufsverbot gleich und bedeutet für die gesamte Geburtshilfe das Aus", sagte die Geschäftsführerin des Geburtshauses in Düsseldorf, Isabelle Rosa-Bian. In Deutschland gibt es etwa 150 Geburtshäuser. 60 Prozent der 21.000 Hebammen arbeiten dem Deutschen Hebammenverband (DHV) zufolge freiberuflich.

Ab Juli 2015 können sich freiberufliche Geburtshelferinnen voraussichtlich nicht mehr haftpflichtversichern. Die Nürnberger Versicherung hat angekündigt, aus den beiden letzten verbliebenen Versicherungskonsortien für Hebammen auszusteigen. Grund sind zu hohe Haftungssummen, falls ein Kind bei der Geburt zu Schaden kommt. "Ohne Haftpflichtversicherung dürfen wir weder Geburten zu Hause, im Geburtshaus oder als Beleg-Hebamme in der Klinik betreuen noch Schwangeren- und Wochenbettbetreuungen annehmen", sagte DHV-Präsidentin Martina Klenk. "Die Folgen sind dramatisch, der Beruf ist akut von der Vernichtung bedroht."

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) traf sich Dienstag mit Verbandsvertretern in Berlin, um das Problem zu erörtern. Nach dem Treffen hieß es seitens des Ministeriums, das Gespräch sei "konstruktiv und gut" verlaufen. Gröhe habe sich die Position der Hebammen erläutern lassen. Er nehme das Thema sehr ernst, betonte eine Sprecherin. Das Ministerium wies auch darauf hin, dass die im Koalitionsvertrag vorgesehenen Verbesserungen für Hebammen "hohe Dringlichkeit" hätten. Im Koalitionsvertrag bekennen sich Union und SPD zu einer flächendeckenden Versorgung mit Geburtshilfe. "Wir werden daher die Situation der Geburtshilfe und der Hebammen beobachten und für eine angemessene Vergütung sorgen", heißt es im Koalitionsvertrag.

DHV-Präsidentin Klenk wertet die Signale aus Berlin positiv: "Das Gespräch gibt uns Anlass zur Hoffnung, dass das strukturelle Problem der Haftpflichtversicherung bei den Hebammen endlich politisch angegangen wird." Eine Lösung wolle der Minister zusammen mit den Hebammenverbänden erarbeiten.

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Wie diese aussehen soll, blieb unklar. Zunächst sollen im Sommer dieses Jahres, wenn die Versicherungsprämien um weitere zehn bis 20 Prozent auf rund 6000 Euro im Jahr pro Hebamme erhöht werden, die steigenden Kosten ausgeglichen werden. Als mögliche kurzfristige Maßnahme gilt ein Zuschuss der Krankenversicherer. Die Kassen hatten den Hebammen bereits im Jahr 2012 einen Zuschlag gewährt.

Nicht nur die freiberuflichen Hebammen, auch viele Eltern sind besorgt. Sie haben im Internet die Petition "Rettet unsere Hebammen" gestartet. Mehr als 130.000 Menschen haben bereits unterzeichnet.

(RP)