Anti-Stress-Gesetz: Zwei Drittel der Beschäftigten arbeiten nach Feierabend

Anti-Stress-Gesetz : Zwei Drittel der Beschäftigten arbeiten nach Feierabend

Umfrage stützt die Forderung von SPD-Politikern nach einem Anti-Stress-Gesetz. Die IG-Metall hat bereits ein Konzeptpapier vorgestellt.

In Deutschland hat das Modell Überstunden Konjunktur. Einer Umfrage zufolge arbeiten zwei Drittel der Erwerbstätigen regelmäßig über das vereinbarte Pensum hinaus. Von diesen 65 Prozent fühlt sich jeder Fünfte durch die Erwartung des Arbeitgebers belastet, Mehrarbeit leisten zu müssen. Zudem werde von 22 Prozent der Beschäftigten erwartet, dass sie auch im Privatleben für dienstliche Angelegenheiten zur Verfügung stehen.

Das sind die Kernergebnisse einer Befragung der von Kranken- und Unfallversicherungen getragenen Initiative Gesundheit und Arbeit (iga), die gestern in Berlin vorgestellt wurde und an der knapp 2000 Beschäftigte teilgenommen hatten.

Die veröffentlichten Zahlen stoßen mitten in die von mehreren SPD-Politikern entfachte Debatte über die Verabschiedung einer bundesweiten Anti-Stress-Verordnung, die die Verfügbarkeit von Arbeitnehmern im Privaten grundsätzlich regeln soll.

Das von Andrea Nahles (SPD) geführte Bundesarbeitsministerium zeigte sich in dieser Woche grundsätzlich offen für ein entsprechendes Anti-Stress-Gesetz. Aus dem Bundesministerium hieß es jedoch weiter, der aktuelle Wissensstand reiche noch nicht aus, um derzeit gesetzliche Regelungen umzusetzen.

Unterstützung für eine Verordnung kommt nach Informationen der "Saarbrücker Zeitung" wiederum von Saarlands Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD).

Inhaltlich gilt ein solches Regelwerk als kompliziert. Je nach Branche und betrieblicher Struktur müssten individuelle Anpassungen möglich sein. Zudem würde wohl die reine Fokussierung auf die mobile Kommunikation nur einen Bruchteil des Problems betreffen.

Das wird aus einer Anti-Stress-Initiative deutlich, die die Industriegewerkschaft Metall 2012 veröffentlicht hat. In dem Vorwort von Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban heißt es: "Arbeits- und Zeitdruck sind allgegenwärtig, Arbeitszeiten laufen aus dem Ruder, Restrukturierungen werden zum Dauerzustand (...)." In der Folge würden psychische Erkrankungen zunehmen und seien inzwischen die häufigste Ursache für Frühberentungen. Auf rund 80 Seiten formuliert die IG-Metall danach Vorgaben für die Gestaltung von Arbeitsaufgaben, Arbeitsorganisation, den sozialen Beziehungen, den Arbeitsplatz- und Umgebungsbedingungen und der Arbeitszeit, um das Risiko psychischer Belastungen zu vermindern. Eine von der SPD geforderte Anti-Stress-Verordnung dürfte nach ersten Bekundungen ebenso umfangreich sein.

Übrigens: Die iga-Umfrage hat gestern nicht nur schlechte Nachrichten hervorgebracht. Denn immerhin 61 Prozent der Männer und 68 Prozent der Frauen gaben an, dass die Arbeit den richtigen Stellenwert in ihrem Leben einnehme.

Hier geht es zur Infostrecke: Was der Chef alles darf – und was nicht

(jd)
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