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Fall Lichtinghagen: Zumwinkel-Anklägerin soll in Bochum arbeiten

Fall Lichtinghagen : Zumwinkel-Anklägerin soll in Bochum arbeiten

Düsseldorf (RP). Nach ihrem Rückzug als Chefanklägerin im Steuerverfahren gegen den ehemaligen Post-Chef Klaus Zumwinkel sucht die Justiz eine neue Stelle für die Staatanwältin Margrit Lichtinghagen.

Das NRW-Justizministerium erklärte gestern, "vorrangig" würden jetzt freie Positionen im Landgerichtsbezirk Bochum ermittelt. Lichtinghagen hatte erklärt, künftig als Amtsrichterin arbeiten zu wollen. Der Beruf sei wegen der "richterlichen Unabhängigkeit" schon immer für sie "reizvoll gewesen", sagte Lichtinghagen. An ihrer Besoldung nach dem Tarif R 1 (Durchschnittseinkommen: 54.728 Euro) soll sich nach Angaben des Justizministeriums nichts ändern.

Lichtinghagen war in die Kritik geraten, weil sie Bußgelder eigenmächtig an gemeinnützige Organisationen verteilt haben soll. Ihr Vorgestetzen hatten dem Justizministerium ein 60-seitiges Dossier mit schweren Vorwürfen vorgelegt. Das Ministerium bestätigte gestern, der Staatsanwältin beim Kriesengespräch am Dienstag bis zuletzt die Versetzung nach Köln angeboten zu haben. Dabei hätte sie ihre Funktion behalten können. Lichtinghagen habe selbst entschieden, sich an ein Amtsgericht zurückzuziehen.

Die SPD im Düsseldorfer Landtag befürchtet nun mildere Urteile in den laufenden Verfahren gegen Steuersünder. "Wenn man mitten in der Fahrt die Pferde wechselt, drohen Konsequenzen", sagte SPD-Fraktionsvize Ralf Jäger. Monika Düker, Innen-Expertin der Grünen, warf NRW-Justizministerin Rowitha Müller-Piepenkötter (CDU) Versagen vor. Ihr Konfliktmanagement sei "desaströs". "Offenbar weiß sich die Justizministerin bei den völlig von Zerrüttung gekennzeichneten Personalquerelen in der Bochumer Staatsanwaltschaft nicht mehr anders zu helfen, als die erfahrene Staatsanwältin abzuziehen."