Zentrum für politische Schönheit: Demonstranten aus Chemnitz entlarven sich selbst

„Zentrum für politische Schönheit“ : Wie die „Soko Chemnitz“ offenbar viele Rechte in eine Falle lockte

Die Aktion hat für Aufsehen gesorgt: Das „Zentrum für politische Schönheit“ hat bei seiner Meldeaktion vermeintlicher Rechtsradikaler eine Falle gestellt.

Überraschende Entwicklung bei der umstrittenen Aktion des „Zentrums für politische Schönheit“: Die Künstler- und Aktivistengruppe hatte am Montag unter www.soko-chemnitz.de eine Internetseite freigeschaltet, auf der Fotos von mutmaßlichen Teilnehmern der rechten Demonstrationen sowie der Ausschreitungen in Chemnitz zu sehen waren.

Sie rief Benutzer dazu auf, die Beteiligten auf den Fotos zu identifizieren und deren Arbeitgeber zu informieren. Für die Aktion wurden nach eigenen Angaben drei Millionen Bilder von 7000 mutmaßlichen Rechtsradikalen ausgewertet, die unter anderem über Facebook frei zugänglich sind.

Am Mittwoch wandte sich die Gruppe erneut an die Öffentlichkeit und gab Überraschendes bekannt. Insgesamt seien bisher 1552 Teilnehmer der Demonstrationen in Chemnitz ermittelt worden. Viele Demonstranten hätten sich aber selbst entlarvt, indem sie auf der Seite nach ihrem eigenen Namen suchten. Denn die Gruppierung hatte den Besuchern der Website eine Falle (englisch: Honeypot) gestellt.

„Wir arbeiteten mit Experten der Bilderkennung, künstlichen Intelligenz und Algorithmik. Und wir bauten eine Webseite mit einem einzigen Ziel: Ihr liefert uns Euer gesamtes Netzwerk selbst aus und zwar ohne es zu merken. Das wichtigste Element dieser Seite: die Suchfunktion. Über die Suche habt Ihr uns mehr mitgeteilt, als öffentlich zugängliche Quellen je verraten hätten“, schreibt die Gruppe auf der Website.

Und weiter: „Jedem Besucher der Seite wurde ein zufälliges Sample aus nur 20 Profilen pro Kategorie ausgespielt. Viele von Euch braunen Mobbern haben dann sofort die Suchfunktion genutzt und oftmals zuerst den eigenen Namen gesucht. Die Suchdaten wurden gemäß Datenschutzbestimmung wie bei allen Web-Suchdiensten mitgeloggt und einer pseudonymisierten Benutzerkennung zugewiesen. […] Die Suchanfrage förderte nicht nur jede Menge vollständiger Namen zutage, sondern auch Wahrscheinlichkeitswerte: wenn Du uns einen von 1.500 Namen gibst, die wir schon kennen (insbesondere, wenn er nicht ganz so prominent oder gar nicht bekannt ist), dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Du mehr von dem weißt, was wir wissen wollen. Die Datensätze boten die einmalige Möglichkeit, das „Netzwerk Chemnitz“ auszuleuchten. Mittels Netzwerkanalyse und Datenvisualisierung waren Freundeskreise, Knotenpunkte, Mitläufer relativ einfach auswertbar.“

Insgesamt seien mehr als 3000 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, teilte die Künstlergruppe mit. Auf der Website wurden auch erste Namen von mutmaßlichen rechten Gewalttätern genannt.

Aber auch den Aktivisten droht jetzt Ärger. Laut Polizei gibt es den Verdacht einer Straftat nach dem Kunsturhebergesetz und den Anfangsverdacht einer Beleidigung, weil die abgebildeten Personen höchstwahrscheinlich keine Einwilligung zur Veröffentlichung gegeben haben und als Straftäter bezeichnet werden.

(mja/dpa)