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Filbinger-Rede: Zentralrat mit Distanzierung Oettingers zufrieden

Filbinger-Rede : Zentralrat mit Distanzierung Oettingers zufrieden

Frankfurt/Main (RPO). Bei einem Treffen mit Vertretern des Zentralrats der Juden in Deutschland hat sich Ministerpräsident Günther Oettinger von dem Inhalt seiner Filbinger-Rede distanziert. Daher, so Zentralrats-Präsidentin Charlotte Knobloch, halte man die Rücktrittsforderung nicht weiter aufrecht.

Knobloch erklärte am Donnerstag nach einem Treffen mit Oettinger am Frankfurter Flughafen, man sei mit der Distanzierung Oettingers von seiner umstrittenen Trauerrede für den früheren Stuttgarter Regierungschef Hans Filbinger einverstanden. Die Rücktrittsforderung sei nunmehr gegenstandslos. Oettinger habe seine Distanzierung von den kritischen Passagen der Rede bekräftigt und sein Bedauern ausgedrückt.

Oettinger hatte nach heftiger Kritik an seiner Rede das Gesprächsangebot unterbreitet. Am Montag distanzierte er sich auf Druck der CDU-Spitze von seiner Äußerung, Filbinger, der als Marinerichter im Zweiten Weltkrieg an Todesurteilen gegen Wehrmachtsdeserteure mitgewirkt hatte, sei ein Gegner des NS-Regimes gewesen.

Knobloch nannte das Gespräch mit Oettinger "sehr konstruktiv". Die Führung des Zentralrats habe die kritischen Punkte an der Rede und "dem zum Ausdruck gekommenen Geschichtsbild" erläutert. Man sei sich einig, dass Deutschland seine Zukunft nur gestalten könne, wenn es sich seiner Vergangenheit stellt. "Wir hatten eine sehr intensive und offene Diskussion. Sie ist auch nötig gewesen", erläuterte Knobloch. Ihr Vize Salomon Korn fügte hinzu, man habe "nicht nur Freundlichkeiten ausgetauscht".

Vor dem Treffen hatte Zentralratsvize Dieter Graumann noch erklärt, dass Oettinger sich korrigiert habe, müsse zwar gewürdigt werden. Es sei aber "großer Schaden entstanden". Zugleich hatte Graumann von Oettinger verlangt, Einfluss auf die "Wadenbeißer" in seinem Umfeld zu nehmen. So habe sich der Landesgruppenchef Brunnhuber als "Brunnenvergifter" betätigt.

(afp)