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Zensus 2022: Wer wird befragt? Verweigerung, Pflicht, Stichtag - alle Infos zur Befragung

Volkszählung in Deutschland : So funktioniert der Zensus 2022

Der Zensus 2022 soll zeigen, wie die Menschen in Düsseldorf, NRW und Deutschland leben. Zwischen Mai und August klingeln dafür mehr als 300 Erhebungsbeauftragte an den Haustüren in Düsseldorf. Was überhaupt ein Zensus ist und wer befragt wird, lesen Sie hier.

In diesem Jahr findet mit dem Zensus 2022 eine bundesweite Volkszählung statt. Neben der Ermittlung der Einwohnerzahlen sollen durch die Zählung auch zentrale Strukturdaten gewonnen werden, die eine Aussage darüber erlauben, wie die Menschen in Deutschland leben, wohnen und arbeiten. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Zensus 2022.

Was ist der Zensus 2022?

Gibt es genügend Wohnungen? Brauchen wir mehr Schulen, Studienplätze oder Altenheime? Wo muss der Staat für seine Bürgerinnen und Bürger investieren. Um diese und andere Fragen zu beantworten, führt Deutschland alle zehn Jahre einen Zensus oder eine Volkszählung durch.

Im Rahmen des Zensus werden grundlegende Daten über die Bevölkerung und die Wohnungssituation in Deutschland erhoben. Auf Basis der ermittelten Bevölkerungszahlen werden zum Beispiel die Wahlkreise eingeteilt und die Stimmenverteilung der Länder im Bundesrat festgelegt. Auch der Länderfinanzausgleich, die Berechnungen für EU-Fördermittel und die Verteilung von Steuermitteln beruhen auf den Zensusdaten.

Neben der unmittelbaren Verwendung für politische Planungen und Entscheidungen dienen die Ergebnisse auch als Grundlage für zahlreiche andere Statistiken. Sie werden beispielsweise für die Auswahl der Stichprobenerhebungen, für die Hochrechnung des Mikrozensus oder als Basis für die Bevölkerungsvorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes genutzt.

Wann war der letzte Zensus?

Nach der letzten Zensusrunde im Jahre 2011 war der Zensus für das Jahr 2021 vorgesehen. Aufgrund der Corona-Pandemie musste der Zensus in das Jahr 2022 verschoben werden.

Wer wird beim Zensus 2022 befragt?

Beim Zensus 2022 kommt – wie schon beim Zensus 2011 – ein von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder entwickeltes Verfahren zum Einsatz, das als registergestützter Zensus bezeichnet wird. Das bedeutet, es müssen nicht wie bei einer traditionellen Volkszählung alle Bürgerinnen und Bürger befragt werden, da die meisten Daten bereits in den Registern der Verwaltung vorliegen, etwa im Einwohnermeldeamt.

Beim registergestützten Zensus werden Kopien dieser Daten an die amtliche Statistik übermittelt. Dort werden sie unter strengen Datenschutzvorgaben in einem abgeschotteten Bereich zusammengeführt. Möglicherweise sind einzelne Personen oder ganze Familien umgezogen und haben sich am neuen Wohnort noch nicht angemeldet. In diesen Fällen sind die Melderegister fehlerhaft. Um solche Ungenauigkeiten in der Statistik herauszurechnen, werden weniger als zehn Prozent der Bevölkerung in einem kurzen Interview befragt. Diese Stichprobenbefragung ist außerdem notwendig, um Daten zu erheben, die nicht in den Registern vorliegen, wie etwa Angaben zu Bildung und Ausbildung oder zur Erwerbstätigkeit.

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Für Wohnungen und Gebäude gibt es keine flächendeckenden Register. Daher werden etwa 17,5 Millionen Besitzerinnen und Besitzer von Eigentumswohnungen oder Wohngebäuden in Deutschland postalisch befragt. Eine weitere Befragung betrifft Wohnheime (wie Studierendenwohnheime) und Gemeinschaftsunterkünfte (wie etwa Alten-/Pflegeheime und Kinder-/Jugendheime). An diesen Anschriften sind die Register besonders ungenau, weil es häufig zu Umzügen kommt.

Der registergestützte Zensus liefert verlässliche Ergebnisse für ganz Deutschland, obwohl nicht alle Menschen in Deutschland befragt werden.

Woher weiß ich, ob ich auch beim Zensus befragt werde?

Sie müssen sich selbst nicht aktiv für die Teilnahme am Zensus melden. Das zugehörige Statistische Landesamt wendet sich postalisch an Sie, wenn Sie an einer Befragung teilnehmen müssen.

Wie wird man beim Zensus befragt?

Für die Haushaltebefragung und die Gebäude und Wohnungszählung kann ein Online-Fragebogen ausgefüllt werden. Den Online-Fragebogen finden Sie auf der Zensus-Website. Dort können Sie sich mit Hilfe der Zugangsdaten, die Ihnen Ihr zuständiges Statistisches Landesamt zugesandt hat, einloggen und die maximal elf Fragen beantworten. Sollten Sie keine Möglichkeit haben, die Fragen selbst oder mithilfe einer anderen Person online zu beantworten, besuchen Sie die Website Ihres zuständigen Statistischen Landesamts oder wenden Sie sich an die Telefon-Hotline. Die Kontaktdaten Ihres zuständigen Statistischen Landesamtes befinden sich in Ihrem Anschreiben. Ein Papierfragebogen kann auf Wunsch ausgehändigt werden.

Bei den Personenerhebungen kommt es zu einer Mischung aus notwendigem persönlichem Interview für die Erfassung der Personenmerkmale und der präferierten selbstständigen, digitalen Angabe der sozio-demografischen Merkmale.

Muss man die Zensus-Interviewer in die Wohnung lassen?

Die Interviewer oder Erhebungsbeauftragten müssen Sie nicht in Ihre Wohnung lassen. Sie können Fragen an der Haustür beantworten oder sich den Fragebogen aushändigen lassen, sodass Sie diesen in Ruhe ausfüllen können. Sie sollten sich den Ausweis des Erhebungsbeamten zeigen lassen: Er ist nur zusammen mit einem Personalausweis oder Reisepass gültig.

Werden meine Daten veröffentlicht?

Um das Grundrecht aller Bürgerinnen und Bürger auf informationelle Selbstbestimmung zu schützen und den Vorgaben des Bundesstatistikgesetzes Rechnung zu tragen, dürfen aus den Veröffentlichungen des Zensus keinerlei Rückschlüsse auf die Angaben von Einzelpersonen oder auf andere Einzelfälle möglich sein. Gleichzeitig sollen so viele allgemeine Erkenntnisse wie möglich aus den veröffentlichten Daten gezogen werden können. Dies wird durch den Einsatz eines sogenannten Geheimhaltungsverfahrens gewährleistet.

Ist man verpflichtet am Zensus teilzunehmen?

Ja, denn es gibt eine Auskunftspflicht. Die Auskünfte innerhalb des Zensus 2022 dienen unter anderem der Erfüllung der EU-Verordnung über Volks- und Wohnungszählungen (EG) Nr. 763/2008. Auch europaweit müssen einheitliche Grunddaten über Bevölkerung und Wohnsituation verfügbar sein. Diese werden alle zehn Jahre von den Mitgliedstaaten erhoben. Die Zensusergebnisse bilden die Grundlage für zahlreiche Statistiken, Hochrechnungen und Planungen, sowie für politische Entscheidungen. Die Auskunftspflicht beim Zensus 2022 ist notwendig, damit die geforderte hohe Qualität und Genauigkeit der Zensus-Ergebnisse erreicht werden kann.

Wann gibt es das Ergebnis des Zensus 2022?

Ziel und Zweck ist es ausschließlich, eine verlässliche Datenbasis für weitere Planungen zu erhalten. Die Ergebnisse des Zensus werden voraussichtlich ab Ende 2023 vorliegen und auf der Website veröffentlicht.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version nannten wir ein falsches Datum, wann die Ergebnisse vorliegen werden. Wir haben das korrigiert.

Hier geht es zur Infostrecke: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Zensus 2022

(kar)