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Abwehrzentrum in Bonn: Zehn Kämpfer für die Cyber-Front

Abwehrzentrum in Bonn : Zehn Kämpfer für die Cyber-Front

Berlin (RPO). Viren statt Langstreckenbomber, Würmer statt Raketen, Malware statt Panzer: Die Kriege der Zukunft, da sind Experten sicher, toben nicht mehr auf einem konventionellen Schlachtfeld – sondern in Glasfaserkabeln, Routern und Servern. Deutschland will sich nun mit einem Cyber-Abwehrzentrum in Bonn gegen diese Gefahren schützen. Experten sind skeptisch. Das Zentrum sei nicht mehr als ein Feigenblatt.

Berlin (RPO). Viren statt Langstreckenbomber, Würmer statt Raketen, Malware statt Panzer: Die Kriege der Zukunft, da sind Experten sicher, toben nicht mehr auf einem konventionellen Schlachtfeld — sondern in Glasfaserkabeln, Routern und Servern. Deutschland will sich nun mit einem Cyber-Abwehrzentrum in Bonn gegen diese Gefahren schützen. Experten sind skeptisch. Das Zentrum sei nicht mehr als ein Feigenblatt.

 Die Atomanlage Natans im Iran.
Die Atomanlage Natans im Iran. Foto: ISIS, AFP

Nachrichten über Angriffe aus dem Internet gehen seit Jahren um die Welt. In den vergangenen Wochen und Monaten treten sie massiv auf. Dabei geraten neben Banken und anderen Unternehmen immer wieder auch Staaten direkt ins Visier der Hacker. Eine Auswahl.

• Am Donnerstag rühmt sich die Hackergruppe Lulz Security, die Internetseite des US-Geheimdienstes CIA geknackt zu haben. Die Behörde prüft derzeit die Behauptung. Fest steht aber: Die Seite war zum Zeitpunkt des Angriffs mehrere Minuten nicht erreichbar.

• Am Mittwoch haben Hacker der Gruppe "Anonymous" Websites der malaysischen Regierung lahmgelegt. Dutzende Regierungsseiten waren für mehrere Stunden nicht zu erreichen. Die Hacker wollten sich dafür rächen, dass die Regierung mehrere Webseiten mit illegalen Kinofilmen sperrte.

• Bereits im Mai attackierten Hacker die Server der US-Großbank Citigroup. Wie jetzt bekannt wurde, war der Schaden deutlich höher als bisher angenommen. Die Computerfreaks klauten persönliche Daten von 360.000 US-Kunden.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Derweil sind die verheerenden Angriffe auf die Sony-Server schon in Vergessenheit geraten. Sorgen bereiten den Sicherheitsexperten von Bund und Ländern zunehmend gezielte Angriffe auf staatliche Strukturen. Die Folgen eines Cyber-Angriffes auf Atomkraftwerke beispielsweise oder Wasserwerke in Ballungsgebieten. Auch die Folgen eines erfolgreichen Angriffs auf eine deutsche Großbank mit Millionen Kunden malen sich Risikoexperten in dunklen Farben aus.

Stuxnet-Virus von Natans legendär

Die bekannteste Schlacht auf dem Daten-Highway wurde vor rund einem Jahr erfolgreich geschlagen — zumindest aus westlicher Sicht. Ein Stuxnet-Virus drang in eine iranische Atomanlage ein und führte offenbar dazu, dass rund 1000 Zentrifugen überhitzten und zerstört wurden — ein empfindlicher Schlag gegen Irans umstrittenes Atomprogramm. US-Medienberichten zufolge war der mächtige Wurm in den USA und Israel entwickelt worden. Bis heute ist unklar, warum der Schädling einen derart riesigen Schaden anrichten konnte. Denn die Anlage in Natans war offenbar gar nicht ans Internet angeschlossen.

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Zehn Soldaten für den Cyberspace

Der Cyberkrieg ist in vollem Gange. Und Deutschland will sich schützen. "Kritische Infrastrukturen wie etwa die Strom- und Wasserversorgung kommen heutzutage ohne hochmoderne IT-Systeme nicht mehr aus", erklärte Innenminister Hans-Peter Friedrich wortreich der "Frankfurter Rundschau". Derartige Attacken könnten immense Schäden anrichten, die große Teile der Bevölkerung direkt betreffen würden. Friedrich eröffnet am Donnerstag in Bonn das Nationale Cyber-Abwehrzentrum. Hier sollen Angriffe früher erkannt und besser ausgewertet werden. Zehn Experten sollen hier arbeiten.

"Das ist ein reines Feigenblatt"

Fachleute sehen die neue Einrichtung skeptisch. "Das ist lachhaft und im Grunde ein reines Feigenblatt. Wenn man diese Bedrohung verstehen würde, wüsste man, dass sehr viel mehr Mittel nötig sind, um ihr zu begegnen. Dann würden wir hier nicht über zehn Leute reden, sondern mindestens über das Zehnfache", sagte IT-Sicherheitsexperte der "Berliner Zeitung". Der 52-Jährige weiß, wovon er spricht. Ihm gelang es einst, den Stuxnet-Virus und Natans zu entschlüsseln.

(RPO)