Zahl der freiberuflichen Hebammen sinkt - Geburtshilfe-Verein alarmiert

Elternverein alarmiert: Zahl der Beleghebammen sinkt

Schwangere können sich immer seltener eine Hebamme aussuchen: Die Zahl der so genannten Beleghebammen, die Frauen von der Schwangerschaft bis zur Geburt persönlich begleiten, sinkt weiter.

Wie aus noch unveröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervorgeht, arbeiteten im Jahr 2016 nur noch 1776 solcher Hebammen in Deutschland. Im Jahr 2012 waren es noch 1996 Beleghebammen. Zahlen für 2017 liegen noch nicht vor. Es ist aber damit zu rechnen, dass es einen weiteren Rückgang gab.

Hebammen und Eltern sehen die Entwicklung kritisch: "Dass es immer weniger Beleghebammen gibt, ist eine Katastrophe, denn sie bieten genau das, was sich die meisten Frauen wünschen: eine ständige 1:1-Betreuung", sagt Katharina Desery vom Verein "Mother Hood", der sich für eine bessere Versorgung in der Geburtshilfe einsetzt.

Beleghebammen sind bei werdenden Müttern so beliebt, weil sie die einzigen Geburtshelferinnen sind, die sie während der gesamten Schwangerschaft — und oft auch noch im Wochenbett — begleiten. Kurz bevor das Kind zur Welt kommt, befinden sich die Beleghebammen in Rufbereitschaft, ist es dann so weit, begleiten sie die Frauen in die Klinik und sind während der Geburt die ganze Zeit anwesend. Deshalb spricht man von einer 1:1-Betreuung.

Zum Vergleich: Wird eine Frau von den angestellten Hebammen einer Klinik betreut, kommt sie, je nachdem, wie lange die Geburt dauert, mit mehreren in Kontakt, weil die sich nach Schichtende ablösen. "Wenn bei der Geburt die ganze Zeit die eine Hebamme dabei ist, die man schon kennt, ist das ein enormer Sicherheitsfaktor für manche Frauen", sagt Daniela Erdmann aus dem Vorstand des Deutschen Hebammenverbandes. Die Betreuung durch eine Beleghebamme werde deshalb sehr nachgefragt von den Eltern.

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Gleichzeitig nimmt die Zahl dieser Geburtshelferinnen weiter ab. Und von den 1776, die es noch gibt, bieten noch nicht einmal alle die viel gelobte Sonderleistung an: Denn die Krankenhäuser unterscheiden noch zwischen Dienst- und Begleit-Beleghebammen. Beide sind Freiberufler und haben Verträge mit Kliniken geschlossen. Während die Begleit-Beleghebammen die besagte 1:1-Betreuung anbieten, sind Dienst-Beleghebammen oft auch im Schichtdienst an der Klinik beschäftigt — und ersetzen dort das Personal. Bedeutet also: Das Angebot der Begleit-Beleghebammen ist noch kleiner als von der Statistik erfasst.

Dass es so wenig Beleghebammen insgesamt gibt, liegt laut Daniela Erdmann vor allem an unattraktiven Arbeitsbedingungen. "Die Geburten in Krankenhäusern werden zum Beispiel viel schlechter bezahlt als im Geburtshaus", sagt sie. Während die so genannte Geburtspauschale für die Beleghebammen zwischen 165 und 195 Euro beträgt, darf eine Freiberuflerin außerhalb des Krankenhauses mindestens 526 Euro abrechnen. Begründet wird dies auch damit, dass die Kosten für die Hebammen in den Geburtshäusern höher sind — weil sie für eine entsprechende Infrastruktur sorgen müssen.

Festgelegt wird die Bezahlung in Verhandlungen von Hebammenverbänden und GKV-Spitzenverband, der die Interessen der gesetzlichen Krankenkassen vertritt. Der Spitzenverband bewertet die Sache etwas anders: Erst 2017 seien die Honorare um 17 Prozent angehoben worden, außerdem erhielten Begleit-Beleghebammen für die Rufbereitschaft noch eine Extra-Vergütung, die von den Müttern bezahlt werde, heißt es.

Erdmann kritisiert aber noch etwas anderes: Sie sagt, dass Hebammen in den Krankenhäusern nicht genügend wertgeschätzt Wertschätzung erführen. Oft müssten etwa Dienst-Beleghebammen Arbeiten verrichten, die gar nicht zu ihrem Aufgabengebiet gehörten - sie müssten zum Beispiel in der Schwangeren-Ambulanz aushelfen. Der Hebammen-Beruf sei zudem wenig familienfreundlich — unter anderem wegen der ständigen Rufbereitschaft. Die Verweildauer im Beruf sei wegen all dieser Probleme zu gering. Das müsse sich ändern.

(lai)
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