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Altkanzler Helmut Schmidt: "Wulff war zehn Jahre zu jung"

Altkanzler Helmut Schmidt : "Wulff war zehn Jahre zu jung"

Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) meldet sich mit einem Interview zur Tagespolitik zurück. Der 93-Jährige spricht darin über die Euro-Rettung, das Problem Griechenland und nimmt auch zur Debatte um den zurückgetreteten Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff Stellung. Dieser habe dem Amt und der politischen Klasse schweren Schaden zugefügt.

Nach einem zweiwöchigen Urlaub auf Mallorca gab Schmidt zum Wochenbeginn der "Bild"-Zeitung ein Interview. Darin nimmt Schmidt ausführlich zum Griechenland-Problem Stellung. Die Griechen hätte er seinerzeit gar nicht erst in die Gemeischaftswährung aufgenommen, so Schmidt. Dennoch seien die Milliarden-Hilfen für Athen notwendig, wenn Europa künftig zwischen den neuen Mächten der Welt noch eine Rolle spielen wolle. Auf die Frage, ob er den Zusagen der griechischen Regierung traue, antwortete Schmidt vielsagend: "Wenn ich heute einer der politischen Mitspieler wäre, würde ich mich bemühen, den Zusagen aus Athen zu trauen."

"Wulff Opfer seiner selbst"

Mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff geht Schmidt hart ins Gericht. Natürlich habe Wulff dem Amt und der politischen Klasse einen schweren Schaden zugefügt. Dass der Niedersachse Opfer der Medien geworden sei, glaubt der Altkanzler nicht. Wulff sei Opfer seiner selbst geworden. Einen möglichen Grund für Wulffs Scheitern sieht Schmidt im jungen Alter Wulffs. Wulff sei zehn Jahre zu jung gewesen. Schon als Ministerpräsident sei er zu jung gewesen.

Über den designierten Nachfolger Joachim Gauck äußert sich Schmidt zurückhaltend. "Ich kenne ihn nicht näher. Aber alles, was ich von ihm weiß, klingt angenehm. In Wirklichkeit wird seine Rolle vermutlich kleiner sein, als sie im Augenblick erscheint. Andererseits bringt Herr Gauck viel Lebenserfahrung mit ins Amt, er ist mit 72 ja relativ alt", glaubt der Altkanzler.

"Streit um Großen Zapfenstreich"

Unterdessen reißt m politischen Berlin die Debatte um Christian Wulff nicht ab. Politiker der SPD kritisieren den geplanten Großen Zapfenstreich. SPD-Poltiker Johannes Kahrs sagte gegenüber Handeslblatt Online: "Ich halte den Großen Zapfenstreich für Herrn Wulff für unangemessen." Die Umstände um seinen Rücktritt seinen "unwürdig" gewesen. Auch SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider kritisierte den geplanten Zapfenstreich.

(dpa)