Bundespräsident ruft zu Spenden auf: Wulff: Es geht "ums nackte Überleben"

Bundespräsident ruft zu Spenden auf : Wulff: Es geht "ums nackte Überleben"

Berlin (RPO). Bundespräsident Christian Wulff hat die Deutschen zu Spenden für die Flutopfer in Pakistan aufgerufen. "Jetzt brauchen wir dringend die Hilfe aller derer, die helfen können", sagte Wulff am Mittwochabend in einem ARD-Brennpunkt zur Flutkatastrophe. Die großen Hilfsorganisationen wie die Welthungerhilfe, das Rote Kreuz oder die kirchlichen Hilfswerke müssten nun nachhaltig unterstützt werden.

"Ich setzte auf die Spendenbereitschaft, die in Deutschland immer eindrucksvoll hoch gewesen ist", sagte der Präsident und erwähnte dabei die Hilfsbereitschaft nach dem Erdbeben in Haiti im Januar oder nach der Tsunami-Katastrophe in Südostasien Ende 2004. Für die Menschen in Pakistan gehe es ums nackte Überleben.

Die Zahl der Obdachlosen nach dem Hochwasser in Pakistan ist nach Angaben der Vereinten Nationen auf mehr als vier Millionen gestiegen. Dies sei das Ergebnis von groben Schätzungen aus den am schlimmsten betroffenen Provinzen Sindh und Punjab, sagte ein UN-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. "Die Situation ist sehr Besorgnis erregend." Damit hat sich die Zahl seit der vorherigen Schätzung etwa verdoppelt. Pakistan wird seit fast drei Wochen von den schwersten Überschwemmungen seiner Geschichte heimgesucht.

Schleppende Spendenbereitschaft

Die anfangs schleppende Spendenbereitschaft begründete Wulff damit, dass das Ausmaß der Naturkatastrophe in Pakistan zunächst gar nicht erkannt worden sei. Er erinnerte daran, dass dort eine Fläche von der Größe Italiens überschwemmt sei. Inzwischen wüssten die Menschen auch, "dass das Geld auch tatsächlich bei den Betroffenen hilfsbedürftigen Menschen ankommt, über die renommierten Hilfsorganisationen", sagte Wulff in der Sondersendung. "Das ist sicherlich auch für viele ein wichtiges Kriterium gewesen."

In Bezug auf die schwierigen politischen Verhältnisse in Pakistan und den Einfluss der radikalislamischen Taliban in Teilen des Überschwemmungsgebiets warnte Wulff: "Kritikwürdige Zustände dürfen nicht zu Lasten der dort betroffenen Menschen gehen." Millionen Kinder seien in allergrößter Not. "Da sind wir auch wegen unserer Glaubwürdigkeit und der Menschlichkeit gefordert, alles zu tun, was uns möglich ist."

Gemeinsamer Appell der Kirchen

Auch die Kirchen haben zu mehr Solidarität mit den Betroffenen aufgerufen. "Helft Pakistan! Helft den vielen Opfern der Flut!," hieß es in dem gemeinsamen Appell der Deutschen Bischofskonferenz und des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

In ihrem Spendenaufruf am internationalen Tag der humanitären Hilfe erinnerten die Kirchen an das Gebot der Nächstenliebe. Die Hilfsbereitschaft der Bundesbürger dürfe nicht durch Vorbehalte gegen ein Land und eine Region vermindert werden. Rasche und großzügige Spenden seien von Nöten, um die kirchlichen Hilfsorganisationen bei ihrem Einsatz vor Ort zu unterstützen.

Bisher kamen in Deutschland 24 Millionen Euro für die Flutopfer zusammen, wie eine Umfrage bei 37 Hilfswerken und Spendenbündnissen ergab. Für die Opfer des Erdbebens in Haiti im Januar hatten die Deutschen in einem gleich langen Zeitraum 86 Millionen Euro gespendet.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Flut: So leiden die Menschen in Pakistan

(AFP/RTR/nbe)
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