Kommentar zum Rücktritt: Wulff blieb keine andere Wahl

Kommentar zum Rücktritt : Wulff blieb keine andere Wahl

Angela Merkel hat mit ihren Bundespräsidenten kein Glück. Der erste, Horst Köhler, war zu unpolitisch. Christian Wulff dagegen war ein politischer Profi, aber offenbar nur auf Landesebene.

Und auch dort profitierte er von einem Biotop, das über seinen laxen Umgang von Amtsverständnis, Annahme von Geschenken und Verbindungen zu den Mächtigen im Lande lange hinwegsah. Jetzt hat ihn ausgerechnet die Justiz von Niedersachsen aus dem Amt geworfen.

Ein Bundespräsident unter dem Verdacht der Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung — das hält kein demokratisches Amt der Welt aus. Der Schritt zum Rücktritt war konsequent. Im Grunde kam er zu spät. Wulff hat einen neuen Stil im Schloss Bellevue eingeführt — mit junger Frau und Kinderecke. Das war sympathisch, reichte aber nicht, um die Schatten der Vergangenheit zu vertreiben.

Dass er sich mit dem Satz verabschiedet "Ich war immer aufrichtig" hat einen fahlen Beigeschmack. Denn das war er bestenfalls in stark eingeschränkter Form. Jetzt ist er als Bundespräsident Vergangenheit — nach nur anderthalb Jahren im Amt.

Der Demokratie und der Glaubwürdigkeit ihrer Institutionen hat er damit einen Dienst erwiesen. Das Amt verstanden hat er allerdings nicht.

(top/das)