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Interview mit Berlins Bürgermeister: Wowereit fordert von Mixa Entschuldigung

Interview mit Berlins Bürgermeister : Wowereit fordert von Mixa Entschuldigung

Düsseldorf (RP). Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), hat Bischof Mixa aufgefordert sich für den Vorwurf zu entschuldigen, Frauen würden in der Debatte um Kinderbetreuung zu Gebärmaschinen herabgewürdigt. Wir sprachen mit ihm außerdem über ie Finanzierung der Kinderbetreuung und den angedrohten Rücktritt von Finanzminister Peer Steinbrück.

Herr Wowereit, Finanzminister Peer Steinbrück droht mit Rücktritt?

Wowereit Nach allem, was ich darüber weiß, hat Peer Steinbrück nicht mit Rücktritt gedroht. Es hätte mich auch sehr überrascht. Er ist nicht der Typ für so etwas.

Es heißt, Hannelore Kraft habe ihm zugesetzt. Weil sie sich vor allem gegen die Großkopferten der SPD profilieren will?

Wowereit Als Chef des größten SPD-Landesverbandes gehört man selbst zu den Großkopferten. An NRW kommt in der SPD niemand vorbei. Ich finde es richtig, dass Hannelore Kraft die Stärke dieses Landesverbandes auch einsetzt.

Vertritt Hannelore Kraft eher die Mehrheitsmeinung der SPD oder Steinbrück?

Wie sehen Sie das?

Was bedeutet der Ausbau der Kinderbetreuung, den die SPD vorschlägt, für ein Land wie Berlin?

Wowereit Nun, wir sind ja in Berlin in der glücklichen Lage, dass wir eine Versorgung mit Kindertagesplätzen von etwa 90 Prozent haben. Bei den Krippen liegen wir bei etwa 38 Prozent. Zum Vergleich: In NRW liegt die Quote bei nicht einmal drei Prozent. Das ist sehr weit hinten. Da muss etwas getan werden.

Sorgen Sie sich, dass Frau von der Leyen der SPD ein Thema wegnimmt?

Wowereit Nein. Frau von der Leyen muss sich zunächst mal gegen erhebliche Widerstände in den eigenen Reihen, die sich gedanklich eher bei Bischof Mixa sehen, durchsetzen. Die SPD hat ein Konzept. Das ist durchgerechnet.

Ist es denn wirklich richtig, dass der Staat versucht, schon auf Kleinkinder zuzugreifen?

Jetzt fürchtet Bischof Mixa, Frauen würden zu Gebärmaschinen herabgewürdigt.

Wowereit Das ist zunächst mal eine unglaubliche Entgleisung von Bischof Mixa. Es wäre gut gewesen, wenn er sich dafür entschuldigt hätte. Das ist ein Weltbild, das nicht ins 21. Jahrhundert passt.

Ist die Härte der Debatte ein Signal dafür, dass beide Volksparteien die nächste Wahl mit diesem Thema entscheiden wollen?

Wowereit Das Thema Familie ist ein ganz wichtiges Thema für jede Wahl. Man sieht ja auch, dass die Union sich bewegt hat in einer Art, wie das vor einem Jahr noch undenkbar war.

Wann kürt die SPD den Kanzlerkandidaten Kurt Beck?

Wowereit Die Frage wird zum gegebenen Zeitpunkt von der SPD entschieden. Aber es ist völlig klar, dass Kurt Beck als die eindeutige Führungspersönlichkeit der SPD aller Wahrscheinlichkeit nach der Kanzlerkandidat sein wird.

Setzt die SPD wieder auf Rot-Grün?

Wowereit Richtig ist, dass Dreierbündnisse in Deutschland eher schwierig sind. Sie sind nicht gelernt. Derzeit leiden die Grünen unter dem Verlust der Regierung.

Fürchten Sie nicht, dass die Grünen eher mit FDP und Union koalieren wollen?

Wowereit Nein. Die drei Parteien sind inhaltlich nicht koalitionsfähig. Weder bei der Kernkraft, noch in der Innen- oder Außenpolitik. Die Grünen müssen aufpassen, dass sie ihr Profil nicht verlieren und zu weit nach rechts gehen.

(RP)