Stabiler Wohnungsbau trotz hoher Zinsen Renommiertes Institut erwartet 265.000 neue Wohnungen 2024

Exklusiv | Berlin · Nach einer neuen Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung werden im kommenden Jahr trotz hoher Zinsen 265.000 neue Wohnungen fertiggestellt, fast so viele wie im noch laufenden Jahr. Warum das Institut optimistischer ist als andere Experten.

Wohnungsneubau in Hannover: Trotz schlechter Bedingungen am Bau soll die Zahl der Fertigstellungen 2024 kaum einbrechen.

Wohnungsneubau in Hannover: Trotz schlechter Bedingungen am Bau soll die Zahl der Fertigstellungen 2024 kaum einbrechen.

Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Trotz stark rückläufiger Baugenehmigungen werden nach einer neuen Prognose im kommenden Jahr mit 265.000 neuen Wohnungen fast so viele fertiggestellt wie im noch laufenden Jahr (269.000 Wohnungen). Das geht aus einem Gutachten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) für das Bundesbauministerium hervor, das unserer Redaktion exklusiv vorliegt.

Demnach stabilisiert vor allem der enorme Überhang an bereits genehmigten, aber noch nicht begonnenen oder abgeschlossenen Wohnungen die Zahl der Fertigstellungen im kommenden Jahr. Das DIW ist mit dieser Prognose deutlich optimistischer als der Zentralverband des Baugewerbes, der für 2024 mit einem Rückgang von 35.000 Wohneinheiten rechnet.

Die Zahl der fertigen Wohneinheiten wird demnach 2023 und auch 2024 weiterhin deutlich unter der Marke von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr liegen, die sich die Ampel-Regierung ursprünglich zum Ziel gesetzt hatte. Allerdings bremsten diverse Faktoren die Bautätigkeit. Vor allem die schwache Konjunktur, die hohe Inflation und der folgende Zinsanstieg ließen die Bauinvestitionen einbrechen. Im Jahr 2022 hatte es noch 295.000 fertige Wohnungen gegeben.

„Ich gehe davon aus, dass wir in diesem Jahr im Vergleich zu 2022 nur einen geringen Rückgang bei den Fertigstellungen haben werden“, sagte Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) unserer Redaktion. „Wir werden bis Ende 2023 bei rund 270.000 fertiggestellten Wohnungen landen. Für 2024 werden es voraussichtlich 265.000 neue Wohnungen laut DIW-Prognose sein. Damit sind die jetzt aktualisierten Berechnungen besser als die aus dem Frühjahr dieses Jahres.“ Sie rechnet mit einer Aufhellung am Baumarkt „Ende 2024, Anfang 2025“.

Die Baukosten liegen heute insgesamt „um gut ein Viertel über denen von 2020“, heißt es im DIW-Gutachten. „Der Preisauftrieb dürfte sich allerdings 2024 nicht fortsetzen.“ Die Baukosten dürften im Gegenteil sogar leicht sinken. Das signalisierten deutlich rückläufige Auftragsbestände. Wegen der höheren Bauzinsen sei bei Investitionen „für das kommende Jahr im Neubau als auch im Bestand mit deutlichen Abwärtsrisiken“ zu rechnen. 2024 erwartet das Institut einen Rückgang der Wohnungsbauinvestitionen um neun Prozent gegenüber Vorjahr.

Bei den Baugenehmigungen 2023 zeige sich ein „dramatischer“ Einbruch. Dass die Fertigstellungen dennoch 2024 auf fast konstantem Niveau verharren würden, liege nur am hohen Bauüberhang. Grund dafür seien Engpässe bei Fachkräften und Baumaterialien. „Das reale Wohnungsbauvolumen wird 2023 insgesamt um gut zwei Prozent und im kommenden Jahr um nahezu 3,5 Prozent schrumpfen“, so das DIW.

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