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Elterngeld & Co.: Wissenschaftler stellen Familienpolitik schlechtes Zeugnis aus

Elterngeld & Co. : Wissenschaftler stellen Familienpolitik schlechtes Zeugnis aus

Nach vier Jahren Forschungsarbeit hat das Bundesfamilienministerium eine Gesamtbewertung der ehe- und familienpolitischen Leistungen in Deutschland vorgelegt. Ihr Kernbefund: Die diversen Formen staatlicher Hilfe sind nicht in gleichem Maße effektiv und heben sich zum Teil gegenseitig auf.

"Hieraus können wir eine Menge lernen", erklärte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD). Trotz der Erfolge von besonders wirksamen Leistungen - so etwa Investitionen in die Kinderbetreuung oder Elterngeld - bleibe "noch viel zu tun".

Mehr als 70 Wissenschaftler hatten im Auftrag des Ministeriums zwischen 2009 und 2013 die unterschiedlichen staatlichen Unterstützungsmaßnahmen für Familien auf ihre Wirksamkeit hin überprüft - insbesondere mit Blick auf Ziele wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Förderung von Kindern, die wirtschaftliche Stabilität von Familien und die Erfüllung von Kinderwünschen. Teilergebnisse waren bereits im vergangenen Jahr veröffentlicht worden.

Zu einem kritischen Befund kommt die Evaluation etwa beim Ehegattensplitting und der beitragsfreien Mitversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung. Diese Maßnahmen steigerten nur kurzfristig das Einkommen von Familien, "weil viele Mütter dadurch ihre Erwerbstätigkeit einschränken, was langfristig häufig zu Einkommensverlusten führt", wie es in einer Erklärung von Schwesigs Ministerium heißt.

Hingegen führten die subventionierte Kinderbetreuung und das Elterngeld zu einer stärkeren Erwerbstätigkeit von Müttern. Ohne die öffentlichen Gelder, die in die Kinderbetreuung flössen, wären 100.000 Mütter mit Kindern zwischen einem und drei Jahren nicht erwerbstätig, heißt es in dem Bericht. Das Elterngeld führe dazu, dass Väter mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen.

Elterngeld und subventionierte Kinderbetreuung "verringern das Armutsrisiko von Familien und stärken das Wohlergehen von Kindern", resümierte das Ministerium. "Sie unterstützen zudem die Erfüllung von Kinderwünschen."

(DEU)