1. Politik
  2. Deutschland

„Wir sind mehr“: Die Lehren aus Chemnitz

Der Tag nach „Wir sind mehr“ : Die Lehren aus Chemnitz

Am Tag nach dem Konzert von Chemnitz geht die Debatte um Fremdenfeindlichkeit und Migration weiter. Eines steht fest: Für dumpfen Fremdenhass darf in Deutschland kein Platz sein. Ein Kommentar.

Ein brutaler Mord, mutmaßlich von Asylbewerbern verübt, die nicht mehr im Land hätten sein dürfen. Eine beängstigende Zahl an Rechten, die aufmarschieren, unerträgliche Parolen skandieren und gegen Ausländer hetzen. Dann das Rockkonzert gegen Rechts mit mehr als 60.000 Zuschauern. Was sind die Lehren? Zunächst diese: Wir müssen differenzieren. Wer mit dem Messer zusticht, muss zur Rechenschaft gezogen werden. Die misslungene Abschiebepraxis bleibt die Achillesferse der deutschen Asylpolitik und sie verstärkt das Misstrauen in den Rechtsstaat. Zweitens: Wir müssen aufpassen, dass wir als Antwort auf Rechtsextremismus nicht selbst extrem werden, die falschen Bands beklatschen oder falsche Begriffe nutzen.

Aber eben auch: Wer gegen Fremde agitiert, hetzt oder sie wegen ihrer vermeintlich ausländischen Herkunft angreift, wie in Chemnitz geschehen, muss auf öffentlichen und lauten Widerstand stoßen. Auf dem Rücken des Opfers wurde Hass geschürt. Unerträglich! Doch neuer Hass sollte unterbleiben, das Wort sorgsam gewählt werden. Die nachhaltige Antwort auf Extremismus von Rechts (oder von Links) ist immer die des Gesetzes. Das Recht kennt keine Emotionen. Anklagen, Ermittlungen, Verfahren, Urteile. Darauf muss man immer wieder hinweisen werden.

Jene, die in Frieden und Freiheit miteinander leben wollen, die Fremde schätzen und Traditionen bewahren, die Solidarität und Humanität als Grundhaltung achten, müssen im Alltag gegen jede kleine Form des Extremismus ankämpfen. Nicht nur, wenn es mal brennt. Der dumpfe Fremdenhass, den wir jetzt in Chemnitz erlebt haben und der in diesem Land nie wieder einen Fuß in die Tür bekommen darf, breitet sich schleichend aus. Das ist das Gefährliche an ihm.