1. Politik
  2. Deutschland

Attacken auf Websites in aller Welt: Wikileaks-Jünger entfesseln Cyber-Krieg

Attacken auf Websites in aller Welt : Wikileaks-Jünger entfesseln Cyber-Krieg

London (RPO). Seine Gegner in den Regierungen der Welt hofften wohl, der Enthüllungsplattform Wikileaks einen schweren Schlag versetzt zu haben. Doch die Rebellion hält an. Nach der Festnahme von Wikileaks-Chef Julian Assange greifen seine Anhänger massiv diverse Webseiten an. Und so verlagert sich das politische Machtspiel genau dorthin, wo es begonnen hat – ins Internet.

London (RPO). Seine Gegner in den Regierungen der Welt hofften wohl, der Enthüllungsplattform Wikileaks einen schweren Schlag versetzt zu haben. Doch die Rebellion hält an. Nach der Festnahme von Wikileaks-Chef Julian Assange greifen seine Anhänger massiv diverse Webseiten an. Und so verlagert sich das politische Machtspiel genau dorthin, wo es begonnen hat — ins Internet.

"Anonymous" nennt sich die Gruppe, die hinter den jüngsten Attacken auf die Webseiten von Mastercard und Visa steckt. Genau jenen Unternehmen also, die Spenden an Wikileaks blockiert hatten. Und die Gruppe kündigte bereits an, weitere Angriffe gegen Firmen zu unternehmen, die sich gegen Wikileaks stellen.

Mit gezielten Maßnahmen wie der Sperrung von Servern und Konten auf der ganzen Welt hatten die USA und die Gegner Assanges versucht, ihn und seine Organisation Schritt für Schritt handlungsunfähig zu machen. Und die Schlinge zog sich immer mehr zu, so dass sich Assange am Dienstag in London der Polizei stellte. Doch die Anhänger haben einen langen Atem. Denn das Internet ist ihr Zuhause. Hier kennen sie sich aus — und sind den Behörden immer einen Schritt voraus.

Webseiten mit Daten überflutet

Ob Sarah Palin, die Schweizer Postfinance oder die Staatsanwaltschaft von Schweden — ihre Webseiten sind alle nicht gefeit gegen Angriffe von professionellen Hackern. Und so werden sie einfach mit Unmengen von Daten überflutet, die wiederum zu einer Blockade der Seiten führen.

In der Nacht zum Donnerstag wurde offenbar auch die Website der schwedischen Regierung vorübergehend lahmgelegt. Wie die Zeitung "Aftonbladet" berichtete, war die Internetseite einige Stunden lang offline, funktionierte am Morgen aber wieder normal.

Zwar gab der Anwalt von Assange noch am Mittwochabend in London bekannt, sein Mandant würde nicht hinter den Attacken stehen. Im Geheimen dürfte er sich diebisch freuen. Denn Assange weiß, dass es in den Weiten des Internets genug Menschen gibt, die sich für die grenzenlose Freiheit des Netzes aussprechen — unbekannt und oft unentdeckt.

Und so spricht auch die Gruppe "Anonymous" davon, inzwischen rund 4000 Unterstützer zu haben. Sie würden überall in der Welt rekrutiert — etwa über den Kurznachrichtendienst Twitter oder über soziale Netzwerke wie Facebook. Assange kann sich also in seiner Zelle beruhigt zurücklehnen in dem Wissen, dass seine Arbeit auch ohne ihn fortgesetzt werden wird.

  • "Anonymous" droht seinen Feinden : Wikileaks-Fans attackieren Visa und Palin
  • Streit um Wikileaks : Isländische Computerfirma will Visa verklagen
  • Wikileaks-Gründer will Auslieferung anfechten : Zweifel an Assanges schwedischer Jägerin

Denn die Wikileaks-Anhänger werden immer neue Kanäle auftun, in denen sie ihre Ansichten verbreiten. Das zeigte sich etwa bei der Sperrung des Wikileaks-Accounts in den USA. Prompt wich die Webseite auf die USA aus. Und es zeigt sich auch jetzt bei den Attacken wieder. Denn der Angriff auf Visa etwa wurde zuvor bei Twitter angekündigt.

Die Spielregel des Netzes

Auch wenn Twitter den urprünglichen Account gelöscht hat, sind die Anhänger von Wikileaks noch lange nicht am Ende. So sind sie im Moment über den neuen Account "Anon_Operationn" erreichbar. "Wir lassen uns keinen Maulkorb verpassen, weder durch rechtliche Schritte noch durch gemeinschaftliche Zensur", erklärte etwa Wikileaks-Sprecher Kristinn Hrafnsson. Und die Gruppe "Anonymous" teilte mit, jeder mit einer "Anti-Wikileaks-Agenda ist in unserem Angriffsbereich".

Wie viele Hacker tatsächlich hinter den Angriffen stecken, weiß niemand. Experten der finnischen IT-Sicherheitsfirma F-Secure gehen davon aus, dass es hunderte, wenn nicht gar tausende sind. Ob es sich daher für die US-Behörden tatsächlich lohnt, Wikileaks mundtot zu machen, ist fraglich.

Denn heutzutage sitzt der am längeren Hebel, der die Spielregeln des Netzes genauesten kennt. Und die Hacker sind dabei ganz vorn mit dabei. Das hat etwa auch die Attacke um den Computerwurm Stuxnet gezeigt, der erst vor wenigen Wochen Server von Industrieanlagen angegriffen hatte.

Wikileaks ist daher nur ein weiteres Beispiel dafür, dass sich der Kampf um die Deutungshoheit von Informationen vermehrt ins Internet verlagert hat. Und die Ebene des Cyber-Krieges wird in Zukunft noch viel mehr Raum einnehmen — und das nicht nur im Fall von Wikileaks.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Festnahme von Wikileaks-Gründer Julian Assange