Regierung gibt nur vorsichtig Entwarnung Wiederholt sich im Sommer das Kofferchaos?

Exklusiv | Berlin · Das Kofferchaos, die vielen verspäteten Flüge im vergangenen Sommer – wiederholt sich das Drama in diesem Jahr? Die Bundesregierung will nicht so richtig Entwarnung geben.

Chaos am Düsseldorfer Flughafen: Ein Rückblick auf die letzten Jahre - Fotos
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Chaos am Düsseldorfer Flughafen - ein Rückblick auf die letzten Jahre

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Foto: dpa/Henning Kaiser

Für viele Urlauber war der letzte Sommer ein Horror. Es gab lange Warteschlangen bei der Abfertigung an den Flughäfen, unzählige verspätete oder ausgefallene Flüge. Vom verschwundenen Gepäck ganz zu schweigen. Der nächste Sommerurlaub steht nun bereits vor der Tür, und manch ein Experte erwartet erneut Chaos. Die Bundesregierung gibt allerdings Entwarnung – wenn auch nur vorsichtig.

Zwar räumt das Bundesverkehrsministerium in einem Bericht an den Tourismusausschuss des Deutschen Bundestages ein, vereinzelte Schwierigkeiten „insbesondere in den aufkommensstarken Zeiten“ könnten nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Das Papier liegt unsere Redaktion vor. Aber gerade bei der Personalgewinnung sei „ein guter erster Schritt getan, um in der Reisesaison 2023 Problemen bei der Abfertigung zu begegnen“.

Zur Erinnerung: Hauptgrund für das Drama im vergangenen Jahr war das Fehlen tausender Arbeitskräfte in allen Bereichen; viele suchten sich während der Corona-Zeit andere Jobs oder wurden entlassen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) befand seinerzeit, dass allein an den deutschen Flughäfen rund 7200 Fachkräfte fehlen würden. Der Versuch der Regierung, kurzfristig und zeitlich begrenzt Kräfte aus der Türkei für die Arbeit an den Flughäfen zu gewinnen, vor allem bei der Gepäckabfertigung, scheiterte.

Die Bundesregierung sieht die Branche inzwischen aber besser gewappnet. Ende Februar hatten Verkehrs-, Innen-, und Arbeitsministerium zum Gespräch mit der Luftverkehrswirtschaft geladen, um über die Vorbereitungen für die nahende Reisesaison zu beraten. Nach wie vor gestalte sich die Personalgewinnung aufgrund der Arbeitsmarktsituation schwierig, heißt es jetzt in dem Bericht an den Ausschuss. Dennoch würden die Bodenabfertigungsdienstleister an den größeren Verkehrsstandorten in Deutschland bis Sommer 2023 genügend Personal „entsprechend des qualifizierten Bedarfs“ im Einsatz haben - etwa durch Einstellungen und Fortbildungen. Auch würden in diesem Jahr deutlich weniger Piloten pandemiebedingt ausfallen.

Bei den Luftsicherheitskontrollen gibt es demnach ebenfalls Fortschritte, sowohl bei der Personalrekrutierung wie bei der Technik. So werde investiert, um die Sicherheit und die Effizienz der Kontrollen zu steigern. „Vorhandene Technik wird nachgerüstet und neue Technik beschafft“, heißt es im Bericht. Die Bundesregierung stehe zudem mit der Mehrzahl der großen Verkehrsflughäfen in Gesprächen zur Übernahme der Luftsicherheitskontrollen nach dem Vorbild des Flughafens Frankfurt.

 Letztes Jahr herrschte großes Chaos an den Flughäfen. Das soll sich möglichst in diesem Sommer nicht wiederholen.

Letztes Jahr herrschte großes Chaos an den Flughäfen. Das soll sich möglichst in diesem Sommer nicht wiederholen.

Foto: dpa/Federico Gambarini

Risiken bleiben freilich. So rechnet die Luftverkehrswirtschaft laut Bundesregierung in diesem Jahr mit einem weiteren Anstieg der Passagierzahlen. Und die Personalgewinnung bereitet offenbar doch mehr Probleme, als aus dem Bericht hervorgeht – so wurde zum Beispiel im Februar bekannt, dass die Lufthansa wegen Personalknappheit ihr Flugangebot im Sommer an den Drehkreuzen Frankfurt und München deutlich verringern wird. Von 34.000 gestrichenen Verbindungen war die Rede. Die tourismuspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Anja Karliczek, sagte daher unserer Redaktion: „Die Bundesregierung reagiert nach dem Prinzip Hoffnung und glaubt, alles wird schon gut gehen.“ So sei zum Beispiel gar nicht klar, ob die neue Kontrolltechnik bis zum Sommer ausreichend beschafft werden könne. „Bestellt ist offenbar auch noch nichts. Auch, weil sich die beteiligten Ministerien nicht abstimmen“, warnte Karliczek.

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