Geteiltes Echo nach Büttenrede in Aachen Wie Strack-Zimmermann in der Bundespolitik polarisiert

Berlin · Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses ist mit ihrer Büttenrede auf geteiltes Echo gestoßen. Bei den FDP-Koalitionspartnern SPD und Grüne ist man seit einiger Zeit von ihren Alleingängen genervt. In der FDP aber lässt man sie bislang gewähren, denn sie hat auch viele Fans innerhalb und außerhalb der Partei.

 Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) hält bei der Verleihung des "Ordens wider den tierischen Ernst" des Aachener Karnevalsvereins (AKV) eine Rede. Baerbock wird die 73. Ritterin des Ordens wider den tierischen Ernst.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) hält bei der Verleihung des "Ordens wider den tierischen Ernst" des Aachener Karnevalsvereins (AKV) eine Rede. Baerbock wird die 73. Ritterin des Ordens wider den tierischen Ernst.

Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Marie-Agnes Strack-Zimmermann hat mit ihrem Karnevalsauftritt in Aachen als „böse Königin“ aus Schneewittchens Märchen für reichlich Wirbel in der Bundespolitik gesorgt, der auch noch Tage danach anhält. Dabei wäre die Aufregung über die Büttenrede der FDP-Politikerin, in der sie sich unter anderem über Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Kanzler Olaf Scholz (SPD) oder Russlands Präsident Wladimir Putin als „Zwerge“ lustig macht, wohl nicht so groß gewesen, wenn sie nicht auch Oppositionschef Friedrich Merz (CDU) eine Passage gewidmet und ihn hart angegriffen hätte.

In einer Rede bei der Verleihung des „Ordens wider den tierischen Ernst“ am Samstag hatte Strack-Zimmermann den CDU-Vorsitzenden – ohne ihn explizit beim Namen zu nennen – als „Flugzwerg aus dem Mittelstand“ bezeichnet, den „zweimal keiner haben“ wollte, weil er nur schwer zu ertragen sei.

Die FDP-Politikerin warf dem im Publikum sitzenden Merz außerdem vor, die Abgrenzung nach rechts nicht ernst zu nehmen. „Treibt's ein Nazi-Prinz zu wild, dann wird der Flugzwerg plötzlich mild“, reimte sie. Auch Merz' Bemerkungen in der Debatte um Ausschreitungen an Silvester thematisierte Strack-Zimmermann: „Heißt ein Junge Ali und nicht Sascha, beschimpft er ihn als Grundschulpascha.“

In der CDU fand man das gar nicht lustig. „Das war ein neuerliches Unterschreiten von anständigem Umgang und anständiger Sprache“, sagte CDU-Generalsekretär Mario Czaja unserer Redaktion. So wie die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses verhalte man sich nicht, „nicht einmal im Karneval“. Er erwarte, dass sich Strack-Zimmermann bei Merz entschuldige „und zum Ausdruck bringt, dass das eine Entgleisung war“. Strack-Zimmermann verteidigte sich unter anderem auf Twitter gegen Kritik und teilte Beiträge von Kommentatoren, die ihr zur Seite sprangen und ihre Rede positiv auffassten.

Dabei reiht sich die Aufregung um den Auftritt ein in eine Geschichte von Zuspruch und Ablehnung gegenüber der FDP-Politikerin und Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses. Strack-Zimmermann polarisiert wie nur wenige andere in der Bundespolitik. Dabei profitierte sie beispielsweise in der seit einem Jahr fortwährend laufenden Debatte um Waffenlieferungen an die Ukraine auch davon, als Stimme der Ampel-Koalition wahrgenommen zu werden, obwohl sie der Regierung nicht angehört. Strack-Zimmermann reiste in die Ukraine und versuchte mit lautstarken Forderungen nach Kampfpanzern und anderen schweren Waffen Bundeskanzler Scholz zu entsprechenden Zusagen an das von Russland überfallene Land zu bewegen.

Strack-Zimmermann machte sich damit über das vergangene Jahr hinweg aber innerhalb des Ampel-Bündnisses längst nicht nur Freunde. Zwar pflichteten ihr Abgeordnete aus den Fraktionen von SPD, Grünen und FDP auch immer wieder bei, wenn es um mehr Tempo bei den Waffenlieferungen oder der Forderung nach klaren Aussagen aus dem Kanzleramt ging. Doch indem Strack-Zimmermann sich so hart gegen den Kurs von Scholz stellte und beispielsweise auch SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich hart für dessen Äußerungen zum weiteren Kriegsverlauf angriff sorgte sie in weiten Teilen der Ampel-Fraktionen und der Bundesregierung für Kopfschütteln. SPD-Chef Lars Klingbeil, der am Samstag ebenfalls in Aachen mit einer Büttenrede auftrat, rief kürzlich sogar indirekt die FDP-Führung dazu auf, Strack-Zimmermann einen Rüffel zu erteilen.

Twitter: Reaktionen auf die Büttenrede von Strack-Zimmermann
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Das denkt die Twitter-Community über die Rede der FDP-Politikerin

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Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Der Vorwurf vieler Koalitionäre: Strack-Zimmermann bedient mit ihren Äußerungen und Forderungen vor allem ihre unzweifelhaft große Anhängerschaft innerhalb der FDP und über die Parteigrenzen hinweg. Doch den gemeinsamen politischen Zielen – auch bei der Unterstützung für die Ukraine – helfe sie damit nicht. So warf Strack-Zimmermann dem Kanzler im Januar Versagen bei den Kampfpanzer-Lieferungen an die Ukraine vor, begrüßte dann aber wenige Tage später die Zusagen, die Scholz aus anderen Ländern und nach Zusagen aus den USA für Kampfpanzer bekommen hatte.

Marie-Agnes Strack-Zimmermanns Karriere in Fotos
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Foto: dpa/Michael Kappeler

Während man bei den Grünen und der SPD das mit einem Kopfschütteln quittierte und Strack-Zimmermann eine egoistische Show vorwarf, ist ihr Rückhalt in der FDP weiterhin groß. Auch wenn ihre Angriffe gegen Merz auch bei Parteivize und Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki, der selbst gern und oft polarisiert, auf Zurückhaltung stießen. Kubicki, der bei der Veranstaltung am Wochenende in Aachen auch dabei gewesen war, sagte unserer Redaktion: „Im Saal war spürbar, dass die Passage von Marie-Agnes Strack-Zimmermann über Friedrich Merz nicht gezündet hat. Allerdings sollten wir aufhören, jedes Wort im Karneval auf die Goldwaage zu legen. Denn sonst können wir uns diese Veranstaltung in der Zukunft sparen.“

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