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Das große Geld nach der Politik: Wie Riester an Riester-Rente verdient

Das große Geld nach der Politik : Wie Riester an Riester-Rente verdient

Berlin (RP). Viele Politiker verdienen erst nach dem Ausstieg aus dem Tagesgeschäft das richtig große Geld. Einer von ihnen ist Walter Riester. Als Sozialminister führte er die staatlich geförderte private Altersvorsorge ein. Niemand profitiert davon so sehr wie er selbst – über Vorträge und Reden im Auftrag der Wirtschaft.

Berlin (RP). Viele Politiker verdienen erst nach dem Ausstieg aus dem Tagesgeschäft das richtig große Geld. Einer von ihnen ist Walter Riester. Als Sozialminister führte er die staatlich geförderte private Altersvorsorge ein. Niemand profitiert davon so sehr wie er selbst — über Vorträge und Reden im Auftrag der Wirtschaft.

Es sei doch allemal schöner, der Nachwelt über eine moderne Rente in Erinnerung zu bleiben als mit einer Heringsspeise, hat Walter Riester einmal gesagt. Der frühere SPD-Bundesminister für Arbeit und Soziales (1998-2002) spielte damit an auf Fürst Bismarck, Reichskanzler und Namensgeber eines Fischgerichts — und auf die nach ihm, Riester, benannte Altersvorsorgeform.

Für den gelernten Fliesenleger aus Kaufbeuren hat sich "seine" Rente schon jetzt bezahlt gemacht. Mindestens 284.000 Euro hat er in den ersten 29 Monaten dieser Legislaturperiode durch Vorträge und Reden zur Werbung für die nach ihm genannte Riester-Rente verdient. Das sind fast 10.000 Euro pro Monat. Die Zahl liegt zwar deutlich unterhalb der rund 16.000 Euro, die er als Bundesminister bekam. Aber es ist mehr als seine Abgeordnetendiät von 7339 Euro, und vor allem: Keine Einzelperson dürfte indirekt so sehr von der Riester-Rente profitieren wie Walter Riester selbst.

Vor seiner Politik-Karriere hatte es Riester, der im September 65 wird, zum Vizevorsitzender der IG Metall gebracht. Seit 2002 sitzt er als einfacher Abgeordneter für den Wahlkreis Göppingen (Baden-Württemberg) im Bundestag, seit November 2005 ist er Vizesprecher im Entwicklungshilfe-Ausschuss. Laut seinen veröffentlichungspflichtigen Angaben zu Nebenverdiensten hat der Politiker allein 35 Vorträge mit einem Honorar der öffentlich deklarierten "Stufe 3" abgehalten, was nach dem Bundestagsschlüssel mehr als 7000 Euro bedeutet.

Es können aber auch deutlich mehr sein. Hinzu kommen Vorträge in den Stufen von 1000 bis 3500 Euro sowie 3500 bis 7000 Euro. Dazu wollte Riester auf Anfrage keine weiteren Angaben machen — wozu er auch nicht verpflichtet ist. Im Jahr 2007 nahm Riester den öffentlichen Bundestagsangaben zufolge mindestens 169 000 Euro für Vorträge ein, in den ersten zwei Monaten dieses Jahres waren es laut Bundestagsveröffentlichung mindestens 31 500 Euro.

Riesters Auftraggeber sind Finanzberater, die Versicherungswirtschaft, Sparkassen und Volksbanken. Für die Anbieter und Vermittler läuft das Geschäft blendend: Nach stockendem Start haben mittlerweile zehn Millionen Bürger eine Riester-Rente abgeschlossen. Auf Mitarbeiter- und Publikumsveranstaltungen ist Riester die große Zugnummer.

Damit vollzieht er eine ähnliche Entwicklung nach wie vor ihm andere Protagonisten der rot-grünen Koalition: vom einst jugendlich-asketischen Vorkämpfer für mehr soziale Gerechtigkeit zum gut verdienenden Compagnon von Wirtschaft und Hochfinanz. Und wie seine früheren politischen Weggefährten sieht auch Riester keinen Grund, seine Beratungs- und Vortragsdienste den Finanzdienstleistern kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Das Besondere an Riester: Anders als "Brioni-Kanzler" Schröder gab sich der Gewerkschafter immer bescheiden. Umso größer fällt die Verwunderung aus. Der Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim sagte: "Riester schlachtet sein politisches Kind, die Riester-Rente, immer ungenierter für den eigenen Geldbeutel aus und demonstriert so, wie man ein Staatsamt nachträglich zu Geld macht. Ein Vorbild an öffentlichem Anstand ist das nicht."

Bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr tritt Walter Riester nicht mehr an. Er sei zwar gern Abgeordneter, habe aber das Gefühl, auf ihn warteten noch andere Aufgaben im Leben, sagte er dem Magazin "Focus". Jüngst von unserer Zeitung zum Problem der Altersarmut befragt, sagte Riester: "Eine genaue Prognose kann keiner geben. Sicher ist, dass der Anteil steigen wird." Riesters Sorge wird das sicher nicht mehr sein.

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(RP)