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WHO sorgt sich um schwache Staaten im Kampf gegen Coronavirus

„Kämpfen auch gegen Fake News“ : WHO sorgt sich um schwache Staaten im Kampf gegen Coronavirus

Auf der Münchener Sicherheitskonferenz hat der Vhef der Weltgesundheitsorganisation klare Worte für den Kampf gegen das Coronavirus gefunden.

Die Weltgesundheitsorganisation sieht mit großer Sorge auf die weltweite Ausbreitung des Coronavirus, wovon auch Staaten mit schwach ausgebildeten Gesundheitssystemen betroffen werden könnten. „Wir wissen nicht, welche Richtung die Epidemie nehmen wird“, sagte der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, bei der Münchner Sicherheitskonferenz.

Zuvor hatte der chinesische Außenminister Wang Yi vom „Krieg ohne Rauch“ gegen das Virus berichtet. Nach den jüngsten Zahlen liege die Sterblichkeit in der am stärksten betroffenen Region um die Millionenstadt Wuhan bei 2,29 Prozent, außerhalb dieses Gebietes bei 0,55 Prozent. Aus diesen Zahlen gehe hervor, dass die Krankheit „im großen und ganzen heilbar“ sei. In der in China verbreiteten Sprache unterstrich Wang, im Kampf gegen das Virus nahe der Morgen: „Wir sehen das Licht“.

Frankreich hatte am Samstag den ersten Todesfall durch Covid-19 außerhalb Asiens gemeldet. Ein 80-jähriger chinesischer Tourist aus der besonders betroffenen chinesischen Region Hubei sei in einem französischen Krankenhaus gestorben, teilte das Gesundheitsministerium in Paris mit. Weltweit sind inzwischen mindestens 1523 Erkrankte an Covid-19 gestorben. Die Zahl der Infizierten gab Ghebreyesus mit mehr als 66.000 allein in China an. Außerhalb Chinas gebe es noch keine Verbreitung im großen Stil.

Dennoch mache sich die WHO große Sorgen, da sich auch bereits zahlreiche Mitarbeiter des Gesundheitssystems durch Covid-19 angesteckt hätten. Zudem laufe die zugesagte internationale Finanzierung nur schleppend an. Außerordentlich störend seien auch die weit verbreiteten Falschinformationen. „Wir kämpfen nicht nur gegen eine Epidemie, sondern auch gegen eine Infodemie mit Fake News“, sagte der WHO-Chef in München. Es müsse darum gehen, die Alarmglocken zu läuten, ohne Hysterie auszulösen. Ghebreyesus wandte sich entschieden gegen jede Stigmatisierung von Opfern und Erkrankten. „Der schlimmste Feind ist nicht das Virus, sondern das Stigma, das uns gegeneinander aufbringt“, erklärte der WHO-Generalsekretär. Jeder Erkrankte habe eine solidarische und mitfühlende Behandlung verdient.

Er verwies auf einen Bericht der Weltbank, wonach die internationale Gemeinschaft immer noch sehr schlecht auf die Abwehr von ausbrechenden Epidemien vorbereitet sei. Es sei jetzt zu erwarten, dass die Länder in der Bekämpfung der Covid-19-Gefahren wieder viel Geld ausgeben, die grundsätzlichen Vorbereitungen auf Epidemien danach aber wieder in Vergessenheit gerate. „Diese Kurzsichtigkeit ist sehr gefährlich“, warnte Ghebreyesus. Die Welt gebe Milliarden für den Schutz vor Terrorangriffen aus, sagte Ghebreyesus weiter: „Aber relativ wenig, um sich auf die Attacke durch ein Virus vorzubereiten, die sehr viel mehr Menschenleben fordern könnte und wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich mehr Schaden anrichten könnte“.

(dpa)