Gewerkschaftsboss verteidigt Streik „Kunden müssen sich bei der Bahn beschweren“

Exklusiv | Berlin · Und wieder geht fast nichts bei der Bahn. Die Lokführergewerkschaft streikt erneut, Tausende Reisende hängen fest. GDL-Chef Claus Weselsky verteidigt das Vorgehen. Aus der Politik wird er scharf kritisiert.

Das ist Claus Weselsky: Lokführer, CDU-Mitglied, Gewerkschafter
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Das ist Claus Weselsky

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Foto: dpa/Carsten Koall

Claus Weselsky zeigt sich unbeirrt. Der erneute Warnstreik der Lokführer liege einzig und allein in der Verantwortung der Deutschen Bahn, so der Vorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) zu unserer Redaktion. „Die Kunden müssen sich bei der Bahn beschweren.“

Das Management des Konzerns und Personalvorstand Martin Seiler seien nicht bereit, mit der GDL über zwei Kernforderungen zu verhandeln. „Über die Absenkung der Wochenarbeitszeit und über die Tarifverträge für Fahrdienstleiter“, so Weselsky. Die Bahn wolle keinen Kompromiss. „Wer nicht zuhören will, muss die Konsequenzen tragen. So leid mir das für die Kunden tut, aber wir haben derzeit keine andere Wahl“, betonte der Gewerkschaftsboss.

Die Streikbereitschaft der Mitglieder liege bei 100 Prozent. Das sehe man auch an den Auswirkungen des erneuten Streiks - „die Bahn steht weitgehend still“. Weselsky kündigte zugleich an, dass der Ausstand der letzte vor Weihnachten sei. „Wenn der zu Ende geht, setzt die friedvolle Weihnachtszeit ein. Die geht bis zum 7. Januar.“ Die Bahn begrüßte dies. Damit habe die Gewerkschaft den „Weg der Besinnung eingeschlagen“, sagte DB-Personalvorstand Seiler.

Viel Kritik erntete die GDL für ihr Vorgehen aus der Politik. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann sagte unserer Redaktion: „Ich wünsche mir erst einmal intensive Verhandlungen statt eines unverhältnismäßigen und rücksichtlosen Streiks.“ Linnemann ergänzte: „Mir fehlt das Verständnis für diesen kurzfristig stattfindenden Streik der Gewerkschaft der Lokführer kurz vor dem Adventswochenende.“ Hunderttausende Reisende kämen nun nicht zur Arbeit oder zu ihren Familien und Freunden.

Zugleich betonte der CDU-Generalsekretär, die Tarifautonomie sei ein hohes Gut. „Sie darf aber nicht missbraucht werden. Tarifautonomie beruht auf ernsthaftem Willen zu echten Verhandlungen. Die GDL sollte das respektieren und verantwortungsvoll handeln“, sagte Linnemann. Unionsfraktionsvize Ulrich Lange (CSU) fordert Weselsky auf, Wort zu halten. „Wir nehmen GDL-Chef Claus Weselsky beim Wort, dass dies der letzte Warnstreik bis ins neue Jahr hinein sein wird.“ Der Verkehrsexperte ergänzte, das Verständnis vieler sei durch den so kurzfristig angesetzten Streik „nach dem Wintereinbruch am Wochenende und dem Bahnchaos in den vergangenen Tagen verständlicherweise aber sehr gering“. Lange betonte weiter: „An den Weihnachtsfeiertagen müssen Menschen mit dem Zug zusammenkommen können.“

 Gewerkschaftsboss Claus Weselsky sieht 100 Prozent Streikbereitschaft bei den GDL-Mitgliedern.

Gewerkschaftsboss Claus Weselsky sieht 100 Prozent Streikbereitschaft bei den GDL-Mitgliedern.

Foto: dpa/Christian Charisius

Demgegenüber betonte SPD-Fraktionsvize Detlef Müller: „In Tarifverhandlungen ist Streiken zweifelsohne ein absolut legitimes Mittel.“ Ihn irritiere „der kurze Vorlauf, damit sich die Kundinnen und Kunden darauf einstellen können“. Das sei „herausfordernd“ für Reisende und auch für betroffene Unternehmen.

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